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08. Juli 2020

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Corona-Maßnahmen zeigen erste positive Auswirkungen

Corona-Maßnahmen zeigen erste positive Auswirkungen© Pexels.com/tom fisk

Die Vorhersagen der Modellrechnungen der TU-Wien belegen nun eine erste Abflachung der Neuinfektionen. Die Reduktion der sozialen Kontakte bremst die Krankheitsausbreitung. Große Unbekannte ist die Dunkelziffer möglicher Infizierter.

(red/czaak) Als sich Corona-Infektionen (Anm. COVID-19) in Österreich auszubreiten begann, verdoppelte sich die Zahl der bestätigten Fälle alle zwei Tage. In den letzten Tagen wurde der tägliche Zuwachs nun geringer, die Verdopplungszeit erstreckt sich auf vier bis sechs Tage. Die TU-Wien und das TU-SpinOff dwh hatten diese Entwicklung in ihren Rechenmodellen exakt vorhergesagt. 

„Wir sind auf einem guten Weg“
„Die meisten Menschen in Österreich haben sich glücklicherweise an die behördlichen Empfehlungen gehalten und die Anzahl der zwischenmenschlichen Kontakte reduziert“, sagt Niki Popper von TU-Wien und dwh. „Es ist damit genau das eingetreten, was wir für diesen Fall vor einer Woche vorherberechnet hatten: Die Zahl der COVID-19-Fälle steigt zwar noch, aber der tägliche prozentuelle Anstieg hat sich reduziert. Wir sind auf einem guten Weg“, betont Popper.

Nun werden weitere Berechnungen und Evaluierungen der Maßnahmen durchgeführt und das dient auch der Abschätzung, wie und wann ein Zurücknehmen der Maßnahmen möglich sein wird. Zu diesem Zweck hat sich nun das Team der TU-Wien mit der Medizinischen Universität Wien und der Gesundheit Österreich zusammengeschlossen. „Wichtig ist, möglichst viele Menschen auf das Virus zu testen - entscheidend sind am Ende gemessene Zahlen, nicht Prognosen“, erläutert Popper.

Die Dunkelziffer als große Unbekannte
Bei derart komplizierten Simulationen am Computer simuliert, gibt es noch einige wichtige unbeantwortete Fragen. Etwa: Wie viele Personen sind mit Corona infiziert, ohne es zu wissen, bzw. wie hoch ist die Dunkelziffer? „Einige Forschungsteams haben auch bereits versucht, diese Dunkelziffer abzuschätzen, was gut, aber natürlich sehr schwer ist“, sagt Niki Popper. Weitere Überlegungen werden hier aktuell auch vom IHS angestellt, mit dem die TU-Wien ebenfalls kooperiert.

Sollten hier doch deutlich mehr Menschen symptomlos infiziert worden sein, wäre das aber nicht unbedingt eine schlechte Nachricht. Die Zahl der schweren Fälle, die im Krankenhaus betreut werden müssen, ist bekannt. Eine hohe Dunkelziffer würde demnach bedeuten, dass der Anteil der schweren Fälle niedriger ist als bisher gedacht. Bei einer hohen Dunkelziffer wäre man auch dem Ziel der Herdenimmunität bereits näher. „Das bedeutet, es würde vielleicht nicht mehr so lange dauern, bis ausreichend viele Menschen gegen das Virus immun wären“, so das aktuelle Resümee des TU-Experten Popper.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 23.03.2020