Unabhängiges Magazin für Wirtschaft und Bildung

24. October 2017

Search form

Search form

Der nachdenkliche Steuerzahler

Der nachdenkliche Steuerzahler© Bilderbox.com

Steuerzwang bringt die Bürger zum Zahlen, aber kaum zum Nachdenken.

Ob eine Steuerbehörde stärker auf Zwang oder die Kraft ihrer Legitimität setzt, hat zwar wenig Einfluss auf die Steuerehrlichkeit, die potenziellen Zahler denken aber unterschiedlich intensiv über den Sinn der Abgaben nach. Eine entsprechende Studie wurde nun im Fachjournal "Social Cognitive and Affective Neuroscience" veröffentlicht.
Wirtschafts- und Neuropsychologen der Universität Wien gingen der Frage nach, unter welchen Umständen Bürger "gerne" Steuern zahlen. Dazu konstruierten sie das Bild zweier Motivationsstrategien: Einmal operiert die fiktive Behörde mit strengen Kontrollen und Strafen, während ihr Gegenstück mit Legitimität arbeitet, in dem sie auf Nachvollziehbarkeit und professionelle Unterstützung der Steuerzahler setzt, heißt es in einer Aussendung der Uni. Dabei wurden die Abläufe im Gehirn der Probanden mittels Elektroenzephalografie (EEG) analysiert.

Tiefere Auseinandersetzung
Die Zahl der Steuersünder war in beiden Fällen in etwa gleich hoch. Der Blick auf die neuronale Ebene brachte aber die überraschende Erkenntnis, dass Steuerentscheidungen unter Zwang einfacher zu treffen sind. Hier gebe es laut den Wissenschaftern Parallelen zum Straßenverkehr. "Angedrohte Kontrollen und Strafen führen dazu, dass man seinen Fahrstil nur deshalb anpasst, weil man einer Strafe entgehen will. Der eigentliche Zweck der Geschwindigkeitsbeschränkungen gerät dabei in Vergessenheit", erklärte Gangl.
Unter der "Legitimitäts"-Bedingung komme es dagegen zu einem komplexeren Abwägen zwischen Selbstinteresse und Gemeinwohl. Für Pfabigan "dürfte der Ansatz der Legitimität, der das nachvollziehbare Erklären von Sachverhalten beinhaltet, zum Nachdenken anregen und moralische Aspekte in den Vordergrund rücken. Dies bewirkt offenbar, dass man deshalb langsam fährt oder eben Steuern bezahlt, weil man seinen Betrag zum Gemeinwohl leisten will".

Links

APA-Science/red/stem, Economy Ausgabe Webartikel, 02.06.2017