Unabhängiges Magazin für Wirtschaft und Bildung

19. Januar 2021

Search form

Search form

Ein vertrauliches Gespräch von Maschine zu Maschine

Ein vertrauliches Gespräch von Maschine zu Maschine© Economy_Bilderbox_011220

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU-Wien beschäftigt sich mit der Nutzung von Blockchains im Internet der Dinge. Das Institut Information Systems Engineering und die Unternehmen Pantos aus Bitpanda-Gruppe und Iota arbeiten dabei zusammen.

(red/mich/cc) Das Internet der Dinge (IoT) ist eine Art Sammelbegriff für ein umfangreiches Geflecht an kleinen oder größeren nützlichen Technologien, die jetzt und vor allem künftig Gesellschaft und Wirtschaft verändern werden. Technische Geräte, Sensoren und Steuerelemente werden nicht mehr untätig darauf warten, bis ein Mensch sie steuert, sondern sie werden in diesem „Internet der Dinge“ zu intelligenten, autonom agierenden Netzen oder Prozessen zusammengeschlossen. In Fabriken können etwa unterschiedliche Maschinen direkt kommunizieren, bis hin zu intelligenten Verkehrssystemen oder ganzen smarte Städten.

Internationales Public-Private-Partnership zwischen BMDW, TU-Wien, Pantos und Iota
Wie für all diese Anwendungen und Entwicklungen Blockchain-Technologien genutzt werden können, soll nun ein neues CD Labor an der TU-Wien unter der Leitung von Stefan Schulte vom Institut für Information Systems Engineering erforschen. Unterstützt wird es vom Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaft (BMDW) und den Unternehmenspartnern Pantos (einem Tochterunternehmen des österreichischen Unternehmens Bitpanda) und Iota aus Deutschland.

„Die transparente und sichere Nutzung von Daten ist eine wesentliche Voraussetzung für die Akzeptanz von Digitallösungen von Industrie 4.0. über Smart Homes bis zu Smart Cities. Dieses CD-Labor forscht an neuen Möglichkeiten, diese Vertrauenswürdigkeit mit Blockchain-Technologien sicherzustellen, und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Innovationskraft unserer Unternehmen und der Digitalisierung unserer Gesellschaft“, betont Margarete Schramböck, Ministerin für Digitalisierung und Wirtschaft.

Blockchain als dezentrale und sichere Technologie
„Unsere täglichen Bankgeschäfte funktionieren, weil es die Bank gibt – eine zentrale Organisation, die alle Daten speichert. Blockchains sind etwas völlig anderes: Sie sind gewissermaßen Buchhaltung ohne zentrales Buch. Die Information liegt nirgendwo zentral vor, sie wird von allen geteilt – auf eine ausgeklügelte Weise, so dass alle den Daten vertrauen können. Dafür werde spezielle kryptographische Verfahren verwendet“, so das TU-Institut in einer Aussendung.

„Man könnte zuerst meinen, dieser Satz passt zum kommenden Internet der Dinge“, sagt Stefan Schulte. „Denn auch hier gibt es keine Schaltzentrale, sondern viele kleine Komponenten, die gleichberechtigt miteinander interagieren.“ Eine Herausforderung in der Kombination dieser beiden Welten ist, dass Blockchains viel Rechenpower, viel Energie und viel Speicherplatz benötigen. Und genau das soll im Internet der Dinge eigentlich vermieden werden.

Ressourcensparende und einfachere Entwicklung
„Beim Internet der Dinge denken wir an kleine, simple Komponenten, etwa ein Temperatursensor, der irgendwo klebt, von einer Batterie mit Strom versorgt wird und drathlos Daten versendet. Oder an kleine Prozessoren in Alltagsgegenständen, ohne dass wir viel von ihnen bemerken“, so Schulte. Genau bei solchen Komponenten ist dann die Verwendung ressourcenintensiver Blockchains schwierig. Das neue CD-Labor soll daher nun untersuchen, wie man Blockchains ressourcensparender und einfacher entwickeln kann.

Ein zweiter Schwerpunkt des neuen CD-Labors ist die Interoperabilität zwischen unterschiedlichen Blockchains. „Blockchains können unterschiedlich umgesetzt werden. Verschiedene Protokolle sind aber nicht miteinander kompatibel“, erklärt Stefan Schulte. „Wir wollen Verbindungen und Schnittstellen zwischen unterschiedlichen Blockchains definieren“, so der Leiter des neuen CD-Labors an der TU-Wien. Da es eine Vielzahl verschiedener IoT-Standards gibt, ist die Chance, dass unterschiedliche Blockchain-Technologien eingesetzt werden, entsprechend groß.

Links

red/mich/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 30.11.2020