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22. November 2017

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Blindenschrift für die Westentasche

Blindenschrift für die Westentasche© tetragon

Tetragon, ein Spin-Off der TU Wien erfindet neuartiges Braille-Display.

Die Braille-Schrift hat sich seit vielen Jahrzehnten bewährt, im Computerzeitalter ist sie laut Experten allerdings noch nicht wirklich angekommen. Braille-Displays sind teuer, kompliziert und sperrig. Das österreichische Startup Tetragon, ein Spin-off der TU Wien, entwickelte nun ein neues Konzept wo das Display aus einem Ring besteht an dessen Innenseite Buchstaben in Braille-Schrift angezeigt und ertastet werden können. Dieser Ring ist technisch verhältnismäßig einfach, er passt in jede Jackentasche und er soll deutlich preisgünstiger sein als bisher verfügbare Produkte.

Lesen ist für alle Menschen eine unverzichtbare Kulturtechnik
Wolfgang Zagler beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Technologien, die älteren oder körperlich beeinträchtigten Menschen helfen sollen. „Seit Jahrzehnten weiß man, dass die Frage nach dem optimalen Braille-Display nicht zufriedenstellend gelöst ist“, sagt Zagler. „Es gab immer wieder verschiedene Ansätze, etwa mit elektromagnetisch gesteuerten beweglichen Stiften, mit Piezoelementen und anderen Technologien, aber all diese Konzepte hatten ihre Nachteile.“
Manche Displays haben einen hohen Stromverbrauch oder begrenzte Haltbarkeit, sind allenfalls im Büro geeignet aber nicht transportabel und technisch kompliziert sowie teuer. „Natürlich gibt es heute Sprachausgabe-Software, mit der man sich Texte vorlesen lassen kann aber das ist kein vollwertiger Ersatz. Lesen ist schließlich eine wichtige Kulturtechnik, es ist unverzichtbar, dass blinde Menschen auch in Zukunft mit der Braille-Schrift vertraut sind,“ so Zagler weiter, der nun gemeinsam mit seinen ehemaligen Studenten Michael Treml und Dominik Busse einen völlig neuen Ansatz entwickelte.

Ein beweglicher Ring als Lösung
Als erstes Novum soll die Blindenschrift nun nicht mehr auf einer unbeweglichen Zeile angezeigt werden. Stattdessen tastet man das Innere eines drehbaren Rings ab. „Ähnlich wie eine Computermaus kann man den Ring anfassen und über die Tischoberfläche ziehen“, erklärt Zagler. „Der Zeigefinger befindet sich dabei im Inneren des Ringes und dort ertastet man die Buchstaben, die bei jeder Umdrehung des Rings neu gebildet werden. So entsteht beim Lesen der Eindruck einer unendlich langen Zeile.“
Die sechs tastbaren Punkte, aus denen in der Braille-Schrift jeder Buchstabe aufgebaut ist, wurden zudem in drei Zweiergruppen zerlegt. „Für jede Zweiergruppe gibt es vier Möglichkeiten: Zwei Punkte, ein Punkt links, ein Punkt rechts, oder gar kein Punkt“, so Zagler. „Diese vier Möglichkeiten werden auf den vier Seiten eines Quaders aufgebracht. Während sich diese Quader auf der Innenseite des Rings im Kreis bewegen, können sie nach Belieben verdreht werden, sodass für den nächsten Ablesevorgang aus drei Quadern der gewünschte Buchstabe angezeigt wird.“
Die Drehung von Quadern ist viel einfacher zu realisieren als die Anzeige von Braille-Buchstaben durch bewegliche Stifte. Dadurch wird das Display robust und wenig fehleranfällig. Durch die ringförmige Konstruktion ist eine kompakte und leicht tragbare Bauweise möglich. „Das Konzept ist bereits patentiert, wir bereiten derzeit eine Firmengründung vor“, erläutert Wolfgang Zagler. Klären muss das Team noch Materialwahl, Stromverbrauch oder ergonomische Eigenschaften. Auch die Kosten des fertigen Geräts stehen noch nicht fest, das Tetragon-Display soll aber deutlich billiger werden als bisher verfügbare Produkte. Orientieren will man sich am Preis für Smartphones.

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red/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 28.09.2017