Unabhängiges Magazin für Wirtschaft und Bildung

28. Mai 2022

Search form

Search form

Breiter Diskurs für standortpolitische Zukunftsfragen

Breiter Diskurs für standortpolitische Zukunftsfragen© NLK Pfeiffer

Land Niederösterreich bindet Bevölkerung und namhafte nationale wie internationale Experten für neue Landesstrategie ein. Aktuell erfolgte nun am IST Austria die hochkarätig besetzte dritte Veranstaltung.

(red/czaak) Das Institute of Science and Technology Austria (ISTA) im niederösterreichischen Klosterneuburg ist eine weltweit beachtete Vorzeigeeinrichtung im Bereich Wissenschaft und Forschung. Aktuell war das ISTA nun der entsprechende Rahmen für die dritte Ausgabe der Veranstaltungsreihe „Zukunftsdiskussion“ zur Landesstrategie Niederösterreich 2030. Neben Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner nahmen etwa die ehemalige Vizepräsidentin der Europäischen Kommission Viviane Reding sowie Hikmet Ersek als CEO von „Western Union“ teil.

„Die Corona-Pandemie hat uns in Niederösterreich nicht davon abgebracht, auch langfristig zu denken und zu planen. Wir sind unseren Weg zur neuen Landesstrategie 2030 weitergegangen, unter dem Motto „Mein Land denkt an morgen“ und auf Basis wissenschaftlicher Grundlagen, unter Einbeziehung nationaler und internationaler ExpertInnen und mit Einbindung aller Niederösterreicherinnen“, so Landeschefin Mikl-Leitner in ihrer Eröffnung.

„Mein Land denkt an morgen“
Der Prozess zur neuen Landesstrategie wurde letzten Juni gestartet (economy berichtete), im heurigen Herbst folgen die Ergebnisse. Inhaltlich geht es um die fünf Fragestellungen: Wovon leben wir morgen? Wie leben wir morgen? Worauf achten wir morgen? Wer wollen wir morgen sein? Und wie organisieren wir uns morgen? Diese zentralen Themen werden in von Experten betreuten Zukunftsfeldern erörtert.

Christoph Badelt leitet dabei den Bereich Wissenschaft, Peter Filzmaier das Thema Bürgerbeteiligung und Steffi Burkhart den Bereich der ,opinion leader‘. Hier geht es darum,internationale Gäste nach Niederösterreich zu holen und von „ihnen zu lernen“. Mikl-Leitner verwies hier auch auf die beiden vorangegangen Zukunftsdiskussionen mit ehemaligendeutschen Vizekanzler Sigmar Gabriel, der Moderatorin Nina Ruge, dem Schweizer Zukunftsforscher David Bosshart und der jungen Politikberaterin Diana Kinnert.

Kundenbedürfnisse als Basis für strategische Entscheidungen
Western Union-CEO Hikmet Ersek erläuterte in seinem aktuellen Vortrag seine Jugend und Studium in Wien sowie seine beruflichen Anfänge beim Finanzdienstleister „Mastercard“ und die sodann folgende internationale Orientierung beim Unternehmen General Electric, damals eines der größten Betriebe der Welt, und schließlich zu „Western Union“. „Es ist wichtig, authentisch zu sein. Ich habe meine Kunden geliebt, denn man lernt täglich von den Kunden. Der Trick ist, Kundenbedürfnisse in Strategie umzusetzen“, so Hikmet Ersek.

Als eine der größten Herausforderungen bezeichnete Ersek die Tatsache, dass aktuell rund zwei Milliarden Menschen über kein Bankkonto und damit über kein Zahlungsverkehrsmittel verfügten. Sorgen mache er sich auch über den zunehmenden Populismus und Nationalismus in der Welt: „Ich habe in meinem Leben gelernt, Brücken zu bauen“, so Ersek. Weitere Themen seiner Erläuterungen waren Migration und Integration sowie Umwelt und Steuergerechtigkeit.

„Man muss die Menschen bei ihren tagtäglichen Problemen abholen“
Viviane Reding blickte in ihrem Vortrag zunächst auf ihre ganz besondere Verbindung mit Niederösterreich zurück und erinnerte an die damalige Diskussion zum Thema NÖ Mobilfunkpakt. Reding selbst war es, die damals nach einem Gespräch mit Landeshauptmann Pröll das zuvor eingeleitete Vertragsverletzungsverfahren auf offener Bühne zeriss. „Diese Anekdote zeigt, wie wir als Niederösterreicher und Luxemburger Probleme lösen können“, so die ehemalige EU-Spitzenpolitikerin.

Ein besonderes Anliegen für Reding ist das Thema „Bürgerdialog“: „Das kann man nicht von oben nach unten machen, sondern nur von unten nach oben. Die Menschen sind in ihrer Region, Kultur und Geschichte verwurzelt“, so Reding. „Ich habe gelernt, dass man sie bei ihren tagtäglichen Problemen abholen muss, um sodann die Zusammenhänge erklären zu können. Mit diesen „Lösungen von unten“ kommt auch das Vertrauen wieder zurück“, betonte Viviane Reding. Ergänzend zu den internationalen Gästen vor Ort, wurde auch ein Videostatement des ehemaligen UNO-Generalsekretärs, Ban Ki-Moon, eingespielt.

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 11.02.2022