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12. November 2018

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Informationsflut ohne Informationswert

Informationsflut ohne Informationswert© piqs.de/miemo penttine

Das digitale Zeitalter überschwemmt die Österreicher mit Informationen und Reizen. Die Menschen fühlen sich zunehmend überflutet wie überfordert, so eine aktuelle Studie von marketagent.com.

Ständige Erreichbarkeit ist mittlerweile ein Fixpunkt in den modernen Lebenswelten der Österreicher. Es vergeht kein Tag, an dem nicht zahlreiche Anrufe, Nachrichten oder E-Mails eintrudeln und die Aufmerksamkeit der Nation verlangen. Diese Dauerberieselung mit laufenden Informationen über Telefon, E-Mail, Facebook, Whats App & Co. ist eine unaufhaltsame Entwicklung der modernen Zeit.
Es gibt aber auch zunehmende Schattenseiten, wie das digitale Markt- und Meinungsforschungsinstitut Marketagent.com in einer repräsentativen Umfrage zum Thema Reizüberflutung herausgefunden hat: Über 70 Prozent der Österreicher fühlen sich von Informationen überflutet. Das Wie und Warum wurde in der Studie nun genauer ermittelt.

Alle sechs Minuten der Blick aufs Handy
Beispiel Smartphone: ständig in Hosen- oder Handtasche dabei, wird es von allen Altersgruppen durchgehend mehrmals stündlich überprüft, um nichts zu verpassen. Die jüngste Altersgruppe (14-19-Jährige) belegt dabei mit bis zu 9 Mal stündlich aufs Handy schauen erwartungsgemäß den ersten Platz. Im Schnitt erhält dieses Segment pro Tag bis zu 61 neue Informationen oder Nachrichten (SMS, WhatsApp). Bei älteren Menschen (50-69-Jährige) reduziert sich dieser Wert auf maximal 12 Infos oder Nachrichten je Tag.
Das Smartphone oder andere Informationsgeräte werden aber auch parallel verwendet, etwa beim Fernsehen, was mehr Konzentration auf mehrere Quellen bedeutet. Mehr als ein Drittel (34 Prozent) der Österreicher geben an, mehrmals in der Stunde zum Handy oder Tablet zu greifen, wenn sie daheim vor dem Fernseher sitzen. „Der Second Screen ist in den heimischen Wohnzimmern längst omnipräsent“, so Thomas Schwabl, Geschäftsführer von Marketagent.com.

Arbeit ist das halbe Leben versus Stress und Müdigkeit
Bei den Büroangestellten kann jede/r zweite nach Dienstschluss nicht abschalten und gibt an mindestens einmal pro Woche nach der Arbeit noch erreichbar zu sein. Im Schnitt werden 38 E-Mails pro Tag erhalten und 56 Prozent der Befragten meinen, die Mehrheit der beruflichen Mails bedürfen unbedingt persönlicher Bearbeitung. 23 Prozent klicken dann sofort auf die Benachrichtigung.
“Zum Verständnis der modernen Arbeitswelt gehört mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen (94 Prozent) sowie ein steigender Grad an Komplexität (93)”, resümiert Schwabl. Ebenfalls hohe Zustimmung fanden die ständige Erreichbarkeit (81) und die Veränderung als fixer Bestandteil der heutigen Arbeitswelt (82 Prozent).
Auf Grund der permanenten Reizflut im Privat- wie Berufsleben verschwimmen die Grenzen immer mehr und das wird auch von 74 Prozent der Österreicher so wahrgenommen. Die negativen Auswirkungen sollten daher auch beachtet werden. Stress (49 Prozent), Müdigkeit (48) und Reizbarkeit (47) zählen zu den häufigsten Symptomen. Immer mehr Menschen wünschen sich daher eine massive Entschleunigung, so die Studienautoren von Marketagent.com.

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red/mc, Economy Ausgabe Webartikel, 06.11.2018