Unabhängiges Magazin für Wirtschaft und Bildung

14. Dezember 2019

Search form

Search form

Psychotherapie via Internet

Psychotherapie via Internet© Bilderbox.com

Eine gemeinsame Studie von Donau-Universität Krems und Partneruniversitäten untersuchte die Effekte von internetbasierten psychotherapeutischen Programmen.

(red/czaak) Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben weltweit 300 Millionen Menschen Depressionen, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Personen mit Depression haben oft gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit und Freudlosigkeit. Ausgelöst werden diese unter anderem durch genetische Faktoren, traumatische Erlebnisse oder chronische Arbeitsüberlastung.

Um depressive Symptome zu lindern, wurden in den letzten Jahren internetbasierte psychotherapeutische Interventionsprogramme entwickelt. Thomas Probst vom Department für Psychotherapie und Biopsychosoziale Gesundheit an der Donau Uni Krems untersuchte nun aktuell in Kooperation mit Universitäten aus Deutschland, Schweiz und England das Therapieprogramm Deprexis.

Positiver Effekt bei Personen mit sozialer Angst
Insgesamt wurden in dieser Studie 1013 Personen mit leichten bis moderaten depressiven Symptomen über ein Jahr untersucht. Eine Gruppe erhielt die Routineversorgung, während die andere Gruppe zusätzlich zur Routineversorgung für drei Monate Zugang zu der internetbasierten psychotherapeutischen Intervention hatte. Das Potential der internetbasierten Behandlung zeigte sich gegenüber der Routineversorgung besonders bei Personen, die depressive Symptome und zusätzlich soziale Angst hatten.

Während sich in der Routineversorgung die depressiven Symptome bei Personen mit sozialer Angst schlechter entwickelten als bei Personen ohne soziale Angst, wirkte das internetbasierte Programm dem Risiko eines ungünstigeren Verlaufs bei Personen mit sozialer Angst entgegen.

Nachdenkprozess beginnen
„Diese Ergebnisse zeigen, dass internetbasierte psychotherapeutische Interventionen bei bestimmten Personen die depressiven Symptomverläufe positiv beeinflussen. Der zielgerichtete Einsatz könnte existierende Behandlungsformen nach einer qualifizierten Depressions-Diagnose durch Psychotherapeuten oder Ärzte ergänzen und somit Betroffenen helfen“, so Thomas Probst, „Es braucht dazu saubere wissenschaftliche Wirksamkeitsnachweise in Form randomisiert kontrollierter Studien, wo sowohl die Internet-Programme wie auch existierende Behandlungen vorliegen.“

Die Internetrichtlinie für Psychotherapeuten des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz verweist darauf, „dass derzeit keine Psychotherapie via Internet im Sinne eines wissenschaftlich begründeten und evaluierten Vorgehens existiert“. „Es bedürfe weiterer Studien vor allem in Österreich, doch ermutigten die ersten Forschungsergebnisse dazu, einen Nachdenkprozess über internetbasierte psychotherapeutische Interventionen als Unterstützung zu beginnen, so der Psychotherapiewissenschaftler Probst von der Donau Uni Krems.

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 29.11.2019