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18. Juni 2018

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Vorbeugende Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs

Vorbeugende Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs© Bilderbox.com

Laut einem aktuellen Cochrane Review senken HPV-Impfungen nachweislich das Krebsrisiko.

Gerald Gartlehner von der Donau-Uni Krems sowie Direktor von Cochrane Österreich und sein Team arbeiten an weiteren datenbasierten Unterstützungen für das österreichische Gesundheitssystem. Seit 2007 sind in Österreich HPV-Impfungen für weibliche und männliche Jugendliche und Erwachsene Bestandteil nationaler Impfprogramme.
Impfungen gegen Humane Papillomaviren (HPV) schützen junge Frauen vor der Entwicklung von Krebsvorstufen, sogenannte Zervix-Läsionen. Dies zeigt ein neuer Cochrane Review, der in der Cochrane Library veröffentlicht wurde. Die Forschungsarbeit fasst auch die Daten zu Nebenwirkungen zusammen.

Sexuell übertragbare Humane Papillomaviren
Ein Großteil der Männer und Frauen kommen im Laufe des Lebens in Kontakt mit den sexuell übertragbaren Humanen Papillomaviren (HPV). Beim Großteil der betroffenen Frauen kann das Immunsystem die Viren erfolgreich bekämpfen. Wenn das jedoch nicht gelingt, können anhaltende HPV-Infektionen zu Veränderungen der Zellen im Gebärmutterhals (Zervix) führen. Die dadurch entstehenden Läsionen gelten als Krebs-Vorstufe. Unbehandelt können sie sich zu Gebärmutterhalskrebs weiterentwickeln.
Die HPV-Typen 16 und 18 werden für rund 70% der Gebärmutterhalskrebs-Fälle weltweit verantwortlich gemacht und gelten als Hochrisiko HPV-Typen. Impfstoffe wurden entwickelt, um das Immunsystem beim Erkennen und Bekämpfen bestimmter HP-Viren zu unterstützen. Da die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs mehrere Jahre dauert, empfehlen internationale Organisationen wie beispielsweise die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Auftreten von Zervix-Läsionen zu untersuchen, um in Studien die Wirksamkeit von HPV-Impfstoffen zu bestimmen.

Cochrane unterstützt Gesundheitssystem
Die Wirksamkeit von HPV-Impfstoffen wurde durch verschiedene Studien in den letzten Jahren getestet. Der Cochrane-Review fasst die Ergebnisse von 26 Studien von 73.428 Frauen von allen Kontinenten zusammen. „Der Cochrane Review wurde von Mitgliedern des Cochrane-Netzwerks erstellt. Unser Hauptziel als Cochrane Zentrum in Österreich ist es, zuverlässige und vertrauenswürdige Daten zu produzieren und zu verbreiten um in unserem Fall das österreichische Gesundheitssystem bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen“, so Gerald Gartlehner, Direktor von Cochrane Österreich und der Leiter des Departments für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie an der Donau Universität Krems.
In Österreich empfiehlt der oberste Sanitätsrat seit 2007 die HPV-Impfung für 9-17 jährige Mädchen und Frauen, seit 2009 auch für Buben und junge Männer. Seit 2013 ist die HPV-Impfung im österreichischen Schulimpfprogramm und seit 2016 ist der 9-fach HPV-Impfstoff im nationalen, kostenfreien Impfprogramm für Kinder von 9-12 Jahren enthalten.

HPV-Impfung verringert Risiko für Krebs-Vorstufen
In den ausgewerteten Studien wurden mehrere Impfstoff-Varianten untersucht. Bei Frauen, welche zum Zeitpunkt der Impfung frei von HP-Viren waren, zeigten Studien, dass zwei von 10.000 Frauen die eine HPV Impfung erhielten aber 164 von 10.000 Frauen, die eine Placebo-Impfung erhielten Zervix Läsionen (Krebsvorstufen) entwickelten. Zudem wurden Frauen, unabhängig vom HPV-Status zum Zeitpunkt der Impfung untersucht. Mit Impfung entwickelten 157 von 10.000 Frauen zwischen 15-26 Jahren eine Zervix-Läsion im Zusammenhang mit HPV. 391 von 10.000 Frauen zwischen15-26 Jahren entwickelten eine Art Zervix-Läsion unabhängig vom HPV-Typ.
Ohne Impfung entwickelten 341 Frauen im Alter zwischen 15-26 Jahren eine Zervix Läsion welche mit bestimmten HPV-Typen zusammenhängt und 559 von 10.000 Frauen zwischen 15-26 Jahren erhielten eine Art von Zervix Läsion, unabhängig vom Typ. Bei etwas älteren Frauen (25-45 Jahre) wirkte die HPV-Impfung weniger gut. Das könnte damit zusammenhängen, dass Frauen in diesem Alter wahrscheinlich schon mit HPV Kontakt hatten.

Kaum Nebenwirkungen
Laut aktueller Studienlage erhöhen HPV-Impfstoffe nicht das Risiko für schwere Nebenwirkungen. Das Cochrane-Team fand auch keine Hinweise darauf, dass Frauen nach HPV-Impfungen häufiger Fehlgeburten hatten. Um mehr Sicherheit in Bezug auf sehr seltene Nebenwirkungen zu gewinnen und eine mögliche Auswirkung auf das Risiko von Totgeburten oder Fehlbildungen bei Kindern abzuklären, sind noch mehr Daten notwendig.
“Die Ergebnisse dieses Reviews sollten im Zusammenhang mit den vielen weltweiten Überwachungsstudien, die vom Global Advisory Committee on Vaccine Safety der WHO seit Zulassung der Impfung durchgeführt wurden, gesehen werden“, erläutert Marc Arbyn, Cochrane Erst-Autor von der Abteilung für Krebs-Epidemiologie des Belgischen Krebszentrums Sciensano in Brüssel.

Gebärmutterhalskrebs Screening auch für geimpfte Frauen
„Das Komitee kam zum Schluss, dass das Nutzen-Risiko-Profil von vorbeugenden HPV Impfungen vorteilhaft ist und äußerte Sorge, dass ungerechtfertigte Bedenken über Nebenwirkungen, denen eine biologische und epidemiologische Grundlage fehlt, das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Impfung beeinflussen. Zugleich forderte das Komitee die Gesundheitsbehörden auf, potenzielle Nebenwirkungen der Impfung weiterhin zu überwachen“, ergänzt Arbyn.
„Diese Daten zeigen, dass eine Immunisierung gegen HPV-Infektionen Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs vorbeugen kann. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dadurch die Raten an Gebärmutterhalskrebs in der Zukunft zurückgehen werden“, so Jo Morrison, Expertin im Bereich Gynäkologische Onkologie im Musgrove Park Krankenhaus, Somerset, Großbritannien. „Alle Formen von Gebärmutterhalskrebs können jedoch nicht verhindert werden. Daher bleibt das regelmäßige Screening auf Gebärmutterhalskrebs wichtig – auch für Frauen, die geimpft wurden“, betont Morrison.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 18.05.2018