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19. Dezember 2018

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Der Mensch und die gefährliche Naivität im Netz

Der Mensch und die gefährliche Naivität im Netz© piqs.de/ajari

16. Sicherheitskonferenz an der Donau-Universität Krems erörterte aktuelle Entwicklung von Cyberkriminalität und Gegenstrategien.

Rund 130 Experten und Interessierte aus dem gesamten deutschsprachigen Raum diskutierten im Rahmen der letzten Sicherheitskonferenz an der Donau-Uni Krems aktuelle Entwicklung und Strategien gegen die stark wachsende Cyberkriminalität. Die 16. Auflage der Veranstaltung mit dem Generalthema „Naivität im Netz“ wurde vom Zentrum für Infrastrukturelle Sicherheit der Donau-Universität Krems in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Inneres und dem Kuratorium Sicheres Österreich veranstaltet. Ausgangsbasis und Tenor war, dass im stark wachsenden Markt von Cyberkriminalität es Unternehmen, aber vor allem Privatpersonen Hackern viel zu leicht machen.

Plus 30 Prozent in Kriminalstatistik 2017
„Sicherheit habe ihren Preis, und wenn es nur der sei, Bequemlichkeit hintanzustellen“, resümierte Michaela Kardeis, Generaldirektorin für die öffentliche Sicherheit im Innenministerium in ihrer Keynote. Während laut Kriminalstatistik 2017 die angezeigten Fälle um fünf Prozent zurückgegangen sind, wuchsen Delikte der Rubrik Cybercrime um fast 30 Prozent. Hauptverantwortlich dafür ist primär die Verbreitung von Ransomware zur Erpressung von Unternehmen.
Diese Entwicklung steht im Einklang mit der weltweiten Ausbreitung von Cybercrime. „Alleine Krypto-Währungs-Hacks hätten 2017 und heuer 854 Millionen US-Dollar eingebracht“, so Josef Pichlmayr, CEO IKARUS Security Software. „Der Marktwert von Cyberkriminalität ist seit 2015 mit Blick auf 2020 um über 400 Prozent gestiegen und werde dann bereits 2,5 Billionen US-Dollar betragen“, betont Pichlmayr. Dazu beiträgt insbesondere das Wachstum des Internet of Things mit zunehmend vernetzten Alltagsgeräten.

Schwachstelle Mensch und betriebliche Anforderungen
Während auf der Täterseite mit 80 Prozent Männern „zunehmend finanzielle Motive dominieren und sich Cyberkriminalität stärker, bis hin zur „Dienstleistung Cyberkriminalität“ organisiere, herrsche auf der Opferseite oft große Sorglosigkeit und Gutgläubigkeit“, so Leopold Löschl, Leiter Cybercrime Competence Center im Bundeskriminalamt. Löschl erläuterte weiter, dass Opfer den transparenten Lifestyle oft über Datenschutz stellen und Scham oftmals die Anzeige von Cybercrime verhindere.
Thomas Mandl, Cyber Defense Consulting Experts e.U. IT Sicherheit AG behandelte in seinem Vortrag die Auswirkungen von Ransomware-Attacken auf Unternehmen und präsentierte mögliche Maßnahmen. „Neben dem Aufbau von Security ist es wichtig, die organisatorischen Voraussetzungen für den Schutz wie Notfallplanung, Dokumentation und Meldepflicht zu schaffen“, so Mandl. Unternehmen können dabei „von der Medizin lernen, wo es auf Prävention, genaue Analyse und die richtige Diagnose ankomme.“
Walter Seböck, Leiter des Zentrums für Infrastrukturelle Sicherheit, erinnerte in seiner Begrüßung daran, dass die Donau-Universität Krems unter den ersten war, die das Thema Cybersecurity in der Lehre aufgegriffen und ein Masterprogramm durchgeführt habe. Die Sicherheitskonferenz wird seit 2002 jährlich vom Zentrum für Infrastrukturelle Sicherheit der Donau-Universität Krems unter Leitung von Walter Seböck veranstaltet. Die Konferenz hat sich als nationaler Treffpunkt der Sicherheits-Community etabliert und wird alljährlich von hochkarätigen Experten besucht.

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red/mc, Economy Ausgabe Webartikel, 22.11.2018