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20. Februar 2018

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„Der Österreichische Bildungssektor wäre einer der größten Wachstumsmärkte.“

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(Video/Text; german/english) Das 2013 gegründete Unternehmen "books&docs 421." verschränkt speziell im klassischen Buch-Verlagsbereich die analoge mit der digitalen Welt und produziert etwa individualisierte Lernbehelfe, zugeschnitten auf die ganz persönlichen Bedürfnisse ihrer Nutzer.

Economy sprach mit Firmengründer Rene Heinzl über die Entwicklung von Druckmaschinen bis zu Pdfs, über moderne Lehrer und Klassenbücher, bis hin zu verschiedenen Lernwegen von Kindern und neue Wachstumsmärkte in Österreich.

Economy: Rene Heinzl, Geschäftsführer von "books&docs 421." Altes klassisches analoges Geschäft. Druckmaschine versus neue digitale Welten?
Rene Heinzl: Der Beginn war 2013 mit der Anfrage eines internationalen Industrieunternehmens, wie der moderne Digitaldruck mit weiteren digitalen Elementen verknüpft werden kann.
Recherchen in Europa zeigten überraschend wenig Produkte am Markt, die diese Symbiose zwischen digitalen Infrastrukturelementen wie Plattformen oder Webshops hin zu klassischen Druckmaschinen schaffen. Also, wie kann ich digitale Konzepte auch in klassische Produktion und Industrie hineinbringen.

Welche Unternehmens- oder Branchenbereiche betreffen diese Ansatzpunkte?
Der Kern unserer Firma ist in dieser Schnittstelle zwischen Verlagen und Druckereien entstanden. Menschen wollen nicht mehr klassische Produkte in hohen Stückzahlen haben, wir wollen unsere eigenen individuellen Produkte haben.
Ob im Bildungssektor, in der Schule oder im privaten Umfeld, es ist immer relevant, dass wir uns in einem Produkt wieder finden.
Etwa „my müsli“, die es über eine Website geschafft haben ein wirklich gutes Produkt als Müsli zu verkaufen, was man sich selbst zusammenstellen kann. Die digitale Welt erlaubt uns für einen einzelnen Kunden ganz individuell auf seine Bedürfnisse einzugehen.
Unser operativer Start war dann zwischen Österreichischen Bundesverlag und den größten Schulbuchverlagen Österreichs und der Druckerei Morawa, die sich damals in dieses Digitaldruckkonzept eingearbeitet hat.

Der vorhin erwähnte Geschäftsfall, wie kann man den Ablauf genauer beschreiben?
Man kann das gut an einem ersten Produkt erklären: das war der sogenannte Unterrichts- und Terminplaner. Da haben 100.000 österreichische Lehrer die Möglichkeit ihren eigenen Kalender für ein Schuljahr zu konfigurieren.
Genauso können Lehrer das auch als Klassenbuch nutzen, sie haben viel mehr Platz um Informationen einzutragen und können das zudem über eine Webplattform bereits vorkonfigurieren.
Und da sieht man ein Druckprodukt, sehr individualisiert für eine Person in Auflage Eins. Und das verursacht nicht mehr Kosten, als ein ganz normales Produkt wie etwa einen Terminplaner.

Individuell und das Thema Content. Inhalte, sehr vielfältig einsetzbar.
Wir sehen den Bildungssektor als eines der stärksten Elemente, aktuell besonders bezüglich Migration, wo ich für Nutzer hoch individualisiertes Lehrmaterial zur Verfügung stellen kann.
Das gilt aber nicht nur Bildungssektor, wir haben auch Produkte entwickelt, wo man sich etwa ganz einfach sein individuelles Kochbuch zusammenstellen kann.
Es geht nicht so sehr um das Marktsegment, es geht um den Bedarf ein Produkt für einen Kunden spezieller oder individualisierter zu machen.

Sind weitere Anwendungsmöglichkeiten denkbar, etwa im Gesundheitsbereich?
Wir haben mit der Fachhochschule Campus Wien bereits ein Forschungsprojekt gehabt um im sogenannten Life Science-Segment die gesamte Ausbildung zu dokumentieren.
Die haben noch keine sensitiven Daten, trotzdem haben wir schon gemerkt wie sensibel das Datenthema ist, vor allem die Datenspeicherung. Es ist machbar mit unseren Produkten, die Frage ist der Zeitpunkt der Entwicklung.

Ein weiteres Thema bei "books&docs 421." ist die digital gestützte Weiterbildung, persönliche Lernwelten.
Gerade in der Schulbuchlandschaft haben wir in Österreich ein schwieriges System auf Grund der langwierigen Entwicklung von Schulbüchern.
Das dauert hier bis zu fünf Jahren bis es im Handel und in den Schulen ist. Fünf Jahre entsprechen sieben bis zehn I-Phone Generationen und solange dauert es bis wir ein Schulbuch schreiben.

... das I-Phone ist also das bessere Schulbuch?
Wir denken hier vor um digital und analog kombinierte Schulbücher zu produzieren. Hirnforschung in Amerika besagt, dass wir uns haptisch gelernte Sachen weitaus besser merken weil unser Gehirn das anders abspeichern kann.
Wahrscheinlich ist der Bildungssektor einer der Bereiche wo das gedruckte Werk am längsten überleben wird und hier auch sehr sinnvoll eingesetzt werden kann.
Andererseits muss man viel mehr auf die Lerncharaktere eingehen. Wir wissen, dass Kinder bis zu fünf oder sieben verschiedene Lernwege haben.

Wie kann man dem Rechnung tragen?
Das wäre eigentlich ein ganz großes Thema in Österreich, dass wir auch die Bildung viel stärker auf die einzelnen Personen fokussieren. Wenn schon nicht in der Volksschule, dann in höheren Schulstufen.
Der Lehrer wählt Produkte aus oder Kapitel, passend zum Aufbau seiner Klasse. Hat er Schüler, die einen anderen Lernkanal brauchen, eine CD, ein You-Tube-Video oder Sachen anders erklärt brauchen. Das wäre alles schon möglich.

... was braucht es zur Umsetzung in Österreich?
Da braucht man wahrscheinlich nur noch einen Anstoß, nicht, dass die Schulbuch-Approbation geändert wird, sondern etwa ein Nachmittagsanbot ganz anders zu gestalten.
Da wären vom Bildungssektor her neue, digital erstellte Produkte, analog gedruckt und geliefert, einer der größten Wachstumsmärkte die wir haben könnten.

Die weiteren Pläne von "books&docs 421."?
Wir sind nicht auf aktiver Investorensuche, wir haben es schon geschafft, dass wir von Investoren angesprochen werden. IT kann man aus dem cash-flow finanzieren, da braucht man am Anfang keine Finanzierung.
Aber nun ist ein strategischer oder finanzieller Investor eine Fragestellung. Wir probieren halt eher einen strategischen Investor dazu zu kriegen, wenn das überhaupt notwendig ist. Auf jeden Fall aber noch mehr Leute einstellen.

Strategischer Investor heißt, der dann irgendwann wieder ausgeht.
Wir haben aktuell die Entscheidung getroffen, dass wir jetzt und die nächsten Jahre auf dem Endkundenmarkt mit mehreren Produkten starten. Bis jetzt waren wir im Bereich Business-To-Business tätig und ab nun wollen wir uns auch mit Produkten etablieren.
Gerade im Bildungssektor sehen wir einfach so viel Potential. Wenn es die Verlage nicht machen, müssen wir es machen, in Kooperation mit Verlagen. Irgendwer muss es machen, probieren.

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"The Austrian education sector would be one of the largest growth markets."

"books&docs 421.", started up in 2013, merges analogue and digital computing specially in the classical publishing world. It produces learning materials that are tailor-made to the very specific needs of their users.

Economy spoke to company founder Rene Heinzl from the development of printing machines to PDFs, about teachers nowadays and modern class books till to children’s different learning styles and new growth markets in Austria.

Rene Heinzl, managing director of "books&docs 421.". Old classical analogue market. Printing machine versus new digital worlds.
It started in 2013 at the request of an international industrial company about how to combine modern digital printing with other digital technologies.
Research in Europe has showed surprisingly only a few products on the market which achieve a symbiosis between digital infrastructure interface such as platforms or web shops and traditional printers. So, how to introduce digital concepts into traditional production and industry.

Which company or branch areas apply to these starting points?
The heart of our company was born in this interface between publishers and printing works. People no longer want to have large quantities of vintage products; we want to have our own individual products.
Whether we are looking at the educational sector, at schools or the private provision, we need to be able to find ourselves in our product.
For example ‘my muesli’, they have managed to sell a really outstanding product in the form of muesli you can put together yourself through their website. The digital world allows us to provide a single client with an individualised product that matches their particular needs.
Our operative start was between Austria-Book-Publishers, the biggest school book publishers in Austria and the printing house Morawa, which was involved in this digital printing concept at the time.

How can you describe this business case more clearly?
Take a look at our first product: our lesson and appointment planner. 100,000 Austrian teachers are now in a position to organise their timetable for a whole school year in their own individual way.
At the same time it can also be used as a class register, there is much more space for entering information and, moreover, they can configure it ahead of time by using a web platform.
Table one shows a very personalised printing product for one individual person. It costs no more than an ordinary product, for example a personal organiser.

Personalised and on the subject of content a very individual using.
We view the development of the educational sector as one of the most powerful factors, currently focussing specifically on migration, where I can make customised learning materials available to users.
This doesn’t apply just to the educational sector. We have also developed products for creating a customised cookbook, for instance.
It depends not a market sector; it's about the demand for personalising a product for a customer and making it more unique to them.

Are there other possibilities for this kind of thing, for example in the healthcare sector?
We have already run a research project with the FH-Campus College in Vienna. Our task was to document the whole educational path within the life sciences sector.
We still don't have sensitive data in that case; however we have already noticed how sensitive the subject of data information is. Data storage, for instance. Our products make that possible. The question is how long it will take.

A further theme for "books&docs 421." involves digitally supported further education and personal learning environments.
Particularly in the school text book arena, Austria has a difficult system due to the long drawn-out time-frame for creating school books.
It takes up to five years before a school text book is available in bookshops and schools. Five years are equivalent to between seven and ten iPhone generations and that's how long it takes before we write a new school book.

... is the iPhone a better school book?
In this case, we are considering a combination of digital and analogue school books. Brain research in America tells us that haptic learning makes it easier to remember things because our brain is able to store them in a different way.
The educational sector is probably one of the fields where published works have the longest shelf-life and are put to the greatest use.
On the other hand, you need to take far greater account of learning styles. We know that children have up to five or seven different learning styles.

How can we take them into account?
That would actually be a really big theme in Austria and enable us to focus education much more on the individual. If not in primary school, then later on in high school.
The teacher can choose products or chapters to construct a class learning scheme. If some students need a different learning channel, a CD, a YouTube video, or a different way of explaining something… That would all be possible.

... what does it take to upgrade Austria?
It probably just needs a little push, not trying to change the whole school book process, but by presenting something such as a afternoon session in a totally new way.
In terms of the educational sector, new, digitally manufactured products, printed and delivered as analogue, could represent an huge growth market for us.

What are the next plans for "books&docs 421."?
We are not actively seeking investors. We have already succeeded in garnering interest. Our company can be financed from cash-flow funds, which means that start up financing is not required.
But, now there‘s the question of a strategic or financial investor. We would prefer a strategic investor, if that should be necessary. In any case, we need to get more employees.

A strategic investor means someone who will be present only for a specific period of time.
Currently, we have decided that right now and over the next few years, we will offer several products on the end-client market. Up till now, we have been working in the Business-To-Business area but from now on we want to establish ourselves with our products.
We see a lot of potential in the educational sector. If the publishers aren't doing it, then we have to do it, by cooperating with them as we go. Somebody has to do it, to give it a go.

Links

red/czaak; translation by economy, Economy Ausgabe Webartikel, 13.12.2016