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11. Dezember 2017

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„Digitalisierung dient auch Eröffnung neuer Geschäftsfelder.“

„Digitalisierung dient auch Eröffnung neuer Geschäftsfelder.“© Kapsch

Die digitale Transformation bestimmt den unternehmerischen Alltag, betroffen sind alle Branchen mit sämtlichen Abteilungen und nahezu alle internen und externen Prozesse. Economy sprach mit Peter Wöhrer, Vice President Business Services von Kapsch BusinessCom über aktuelle Trends und Herausforderungen mit den wichtigsten Zielsetzungen von Unternehmen.

Economy: Welche aktuellen Entwicklungen im Bereich der unternehmensrelevanten IT sind erwähnenswert?
Peter Wöhrer: Die Digitalisierung betrifft alle Branchen, ob Dienstleistungsunternehmen, Handel, Industrie oder den Gesundheits- und Finanzbereich. Neue Technologien werden nicht nur zur Verbesserung bestehender Prozesse eingesetzt, sondern auch dazu, neue Geschäftsmöglichkeiten zu eröffnen.

Was bedeutet die Digitalisierung für ein Unternehmen grundsätzlich und welche Herausforderungen gilt es zu beachten?
Da die grundlegenden Prinzipien der Digitalisierung immer gleich sind, können ganz unterschiedliche Branchen voneinander lernen. So lassen sich etwa Innovationen aus dem Gesundheitsbereich auf den Handel oder den Automotiv-Bereich ummünzen, zum Beispiel in Form einer digitalen „Gesundheitsakte“ für Autos.
Während bei Digitalisierungsprozessen in Unternehmen noch bis vor Kurzem das technisch Machbare im Fokus stand, sind Firmen jetzt bereit über das Lösungsziel zu sprechen. Wer sein Business digitalisieren möchte, ist auch gefordert analoge Prozesse digital abzubilden.

Welche generellen Empfehlungen würden Sie einem Unternehmen bezüglich Nutzung neuer Technologien geben?
Es ist zu wenig nur einzelne Ausschnitte von Unternehmen oder Geschäftsprozessen zu betrachten. Wenn es um den digitalen Wandel geht, müssen komplette Wertschöpfungsketten analysiert und angepasst werden. Wir unterstützten Unternehmen aber auch bei der Entwicklung von neuen digitalen Geschäftsmodellen.

Gibt es etwaig branchenspezifische Problemstellungen und Erfahrungswerte?
Generell ist die Digitalisierung in allen Branchen angekommen, Vorreiter sind sicherlich die IKT-Branche, Handel und Logistik, die Bauindustrie oder der Finanzsektor. Grundsätzlich wird Digitalisierung im Zusammenhang mit folgenden drei Zielen gesehen: Optimierung von Serviceprozessen, die digitale Abbildung von analogen Prozessen und die Interne Effizienzsteigerung.

Ein aktuelles Thema ist Industrie 4.0. Welche Ansatzpunkte und Erfahrungswerte sind hier relevant?
Wichtig ist, dass bereits eine durchgängige digitalisierte Supply-Chain besteht und die Auswirkungen etwaiger Maßnahmen auf alle Teile der Wertschöpfungskette berücksichtigt werden.
Als Erstes braucht es die grundlegende Entscheidung des Unternehmens, ob es Teil einer bestehenden Digitalisierungsplattform werden möchte oder genügend finanzielle und personelle Ressourcen für den Aufbau einer eigenen Plattform hat.
Wir arbeiten gerade an einem Industrie-Projekt im Automotive-Bereich mit vielen Zulieferbetrieben entlang dieser Wertschöpfungsketten und da zeigt sich dann die Bandbreite der jeweiligen Dimensionen.

Thema Daten, welche Entwicklungen sehen Sie hier etwa bei Datenmanagement und Verfügbarkeit?
Digitalisierung beginnt damit, dass man die analoge Welt in der digitalen Welt abbildet. Prozessdaten liegen meist an einer anderen Stelle im Betrieb als Produktionsdaten. Betriebe müssen daher zuerst sämtliche Daten sortieren und clustern, bevor sie für die Transformation genutzt werden können. Erst wenn diese Schritte erledigt sind, kann der Digitalisierungsprozess im eigentlichen Sinne beginnen. Aktuell stellen sich gerade viele Betriebe in Österreich dieser Herausforderung, ihr Datenmaterial zu sichten und zusammenzuführen.

Welche Trends sind noch erwähnenswert?
Ein wichtiger Trend ist beispielsweise Schaffung und Besetzung der Funktion eines Chief Digital Officer – CDO. Gab es noch vor einigen Jahren in Unternehmen keine Ansprechpartner für das Thema, ist die digitale Transformation heute oft Chefsache. Vor allem größere Betriebe nehmen hier eine Vorreiterrolle ein, indem sie auch entsprechende Mittel bereitstellen.
Was sich noch zeigt: Digitale Transformation in den Unternehmen wird immer öfter von Fachbereichen wie Marketing oder Sales bzw. deren Leitern initiiert, die sich dann gemeinsam mit den Kollegen aus der IT auf die Suche nach geeigneten Partnern machen.

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red/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 05.12.2017