Unabhängiges Magazin für Wirtschaft und Bildung

24. September 2018

Search form

Search form

„Dinge, die nicht genutzt werden, sind sinnlos.“

Video: 

(Video/Text) StartUps, die Handelsbranche und Lebenswelten von Konsumenten, klassisch analog und digital, Prozesse versus Schnittstellen, Telefonie und All over IP, Dokumente und Pläne. Economy sprach mit den Managern von IT-Anbietern und Anwendern über Herausforderungen im Einsatz moderner Technologien.

Economy: Welche Herausforderungen gibt es generell bei Planung und Aufbau so eines Unternehmens, primär jetzt einmal Technologien betreffend?
Dietmar Pirolt: Das frühzeitige Erkennen von solchen Planungsfehlern halt ich für einen der wichtigsten Prozessfaktoren die zu einem schnellen Erfolg führen können.
Was bei einem StartUp auch immer problematisch ist, sind die Personalressourcen zu Beginn, man erwirtschaftet ja noch keine Umsätze, muss aber gleichzeitig doch einen hohen Brocken an Vorlaufkosten stemmen wenn man gleich mit 15 oder 20 Mitarbeitern beginnen möchte.
Das ist so nicht umsetzbar, das heißt, man muss sich externe Expertise einholen, weil keiner ist ein Wunderwuzzi der alles abdecken kann.

Wie ist generell aus Ihrer Sicht die Entwicklung im Handel?
Christian Renk: Grad’ am Beispiel Just Taste gilt es gerade im Handel die Online-Welt mit der Offline-Welt zu verknüpfen. Diese starken Filialisten, die dementsprechend etabliert sind, haben immer mehr Fokus auf den Online-Bereich, haben immer mehr Schwerpunkt auch nicht nur den Online-Bereich auszubauen sondern auch die Bezahloptionen, die Lieferoptionen dem Kunden so transparent wie möglich und so innovativ wie möglich anzubieten.
Das heißt, der Kunden möchte, egal ob er jetzt im Internet oder in der Filiale shopt eigentlich in einer Lebenswelt agieren.

Altes klassisches analoges Geschäft, Druckmaschine versus neue digitale Welten.
Rene Heinzl: Es geht eigentlich nicht so sehr um welches Business, um welches Marktsegment es geht, es geht darum, dass heutzutage die Notwendigkeit da ist für einen Kunden ein Produkt spezieller oder individualisierter zu machen.

Welche Herausforderungen sind bei der Umsetzung erwähnenswert, Stichwort Schnittstellen?
Franz Grohs: Wenn Sie an Applikationen wie Big-Data denken, ist die Laufzeit eher langfristig. Hier benötigt es ja auch erst eine Ansammlung von Daten, die dann entsprechend analysiert und ausgewertet werden müssen.
Bei standardisierten Lösungen wiederum, die auch im Big Data Umfeld sein können, etwa im Bereich der Analyse von Bewegungsdaten von Telefonteilnehmern, können auch KMU über die Standardisierung profitieren.

Generell Entwicklung, Thema Schnittstellen bei Prozessen, Standardisierung?
Rene Heinzl: Das fehlt ein bissel in Österreich. Wir haben nicht so große Unternehmen aber diese Schnittstellen-Thematik ist eine relevante Frage, weil das geht direkt proportional auf die Stückkosten runter.
Habe ich automatisierte Schnittstellen, kann ich meine Produkte gut produzieren und günstig und die Produktion in Österreich lassen.

Gibt es einen Unterschied wenn man die letzten Jahre Revue passieren lässt, zwischen größeren und kleineren Unternehmen im Hinblick auf die Bereitschaft solche Lösungen einzusetzen?
Markus Buchner: Wo früher das Thema der Hotlinenummern und SMS-Versandlösungen ausschließlich ein Thema für Großunternehmen war, kann man in den letzten Jahren ganz klar von der Demokratisierung dieser Tools auch für den Klein und Mittelstand sprechen.
Die Technik wird günstiger, die Anwendungsbereiche werden vielfältiger und da ist es heute eigentlich unbedeutend wie groß ein Unternehmen ist, sondern welche Geschäftsprozesse gilt es abzuwickeln.

Siegfried Unz: Das spannende bei uns und auch eine unserer Stärken ist die Umsetzung der umfangreichen Sprachen. Wir sprechen hier von 40 Sprachen mit Mutationen ungefähr in einer Zahl von 57.
Als Beispielfall, wenn sie Italienisch nehmen, sie haben das in der Schweiz, wenn sie englische Varianten haben oder englisch und französisch, in Kanada ist das anders und dergleichen oder sogar rein bis Lettland, da haben sie dann russische Dialekte oder was auch immer.

Markus Buchner: Unsere größte Herausforderung ist die, dass wir ja selbst keine Infrastruktur beim Kunden betreiben. Wir brauchen zugrunde liegende Telekommunikationsnetze und –Verbindungen um daraufhin die Logik der Dienstleistungen aufzusetzen die der Kunde von uns haben und beziehen möchte.
Das war in Zeiten der alten Technologie, wenn man an die Telefonie denkt, kein Problem. Heute mit der zunehmenden Digitalisierung, Stichwort All-IP, wird das schon schwieriger.
All-IP klingt zwar nach einheitlichem Internet-Protokoll-Standard, die Feinheiten liegen dann aber in den verwendeten Kodex und Details und das macht es ein bissel herausfordender.

Welche Herausforderung gibt es Ihrer Erfahrung nach zu meistern bei solchen Projekten, was dringt bis zur Vorstandsebene durch?
Klaus Schierhackl: Also die Herausforderung ist ein gutes Gefühl zu entwickeln zwischen technischer Notwendigkeit und was ist to much, was brauchen wir wirklich.
Zum Beispiel bei Dokumentenmanagement oder bei Plänen, bei der ganzen Bestands-Dokumentation. 2.200 Kilometer Autobahn hat eine ganze Menge an Plänen, es gibt eine ganze Menge an Einbauten die Sie als Autofahrer gar nicht sehen.
Beispielsweise das Glasfasernetz, ein Netz über ganz Österreich. Wir haben da 10.000e Pläne und da gilt es auch, was kann man wie zeitgemäß ablegen.
Wir benchmarken uns da bei Branchenkollegen, wir benchmarken uns international was ist üblich und möglich und wir versuchen da einen guten Weg zu gehen.
Aber die Herausforderung ist immer eine gute Balance zwischen was ist technisch notwendig, was beschaffen wir, was hat langfristig Bestand, weil zu oft wechseln wäre zu aufwändig.
Das ist die große Herausforderung bei uns und das ganze dann auch so zu etablieren, dass es die Mitarbeiter freiwillig nutzen und die Kunden auch.
Dinge, die nicht genutzt werden haben keinen Sinn und sehr oft sind wir dann hart am Limit, dass Dinge komplex sind, kompliziert sind, sehr viel können aber der Mensch nicht mehr mitmacht und das muss man vermeiden.

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 17.04.2017