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04. Dezember 2021

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Extended Reality und Industrielle Anwendungen gefragt

Extended Reality und Industrielle Anwendungen gefragt © Pexels.com/Z-Z

Huawei fordert auf Global Mobile Broadband Forum firmenübergreifende Zusammenarbeit für nächste Entwicklungsstufen von 5G. IKT-Branche muss Netze, Geräte und Content auf das explosive Wachstum neuer multimedialer Nutzungsformen rüsten.

(red/czaak) Ken Hu, CEO von Huawei eröffnete das aktuelle Global Mobile Broadband Forum (MBBF) in Dubai mit einem Aufruf zu unternehmensübergreifenden Kooperationen im Bereich neuer 5G-Technologien. „Fünf Jahre nach der kommerziellen Einführung hat 5G das mobile Erlebnis für die Verbraucher erheblich verbessert und unterstützt verschiedene Branchen rund um den Globus“, so Hu.

Und: „Insbesondere in Bezug auf die Teilnehmerbasis, die Netzabdeckung und die überaus große Anzahl der 5G-Endgeräte auf dem Markt war der Fortschritt viel schneller, als erwartet“, unterstreicht Hu. „Die nächste Phase des 5G-Wachstums werden die kohlenstoffarme Entwicklung, XR-Dienste (Extended Reality) und der B2B-Markt bestimmen“, so der Huawei-Chef.

Der aktuelle Stand der weltweiten 5G-Entwicklung
Angaben zufolge gibt es global aktuell 176 kommerzielle 5G-Netze, die mehr als 500 Millionen Nutzer versorgen. Im Privatkundenbereich sind die durchschnittlichen 5G-Download-Geschwindigkeiten etwa zehnmal höher als bei 4G, was zu einem großen Nutzungsanstieg von Anwendungen wie Virtual Reality und sogenannten 360 Grad-Übertragungen geführt hat. Im Unternehmensbereich gibt es weltweit etwa 10.000 Projekte, die B2B-Anwendungen von 5G (5GtoB) erforschen. 5G-Anwendungen in Branchen wie Produktion, Bergbau oder Infrastruktur und Verkehr werden bereits betrieblich umgesetzt.

Laut Hu befinden sich mehr als die Hälfte dieser 5GtoB-Projekte in China. Hier fordert er die Entwicklung nachhaltigerer Geschäftsmodelle und weist zudem auf langfristige Auswirkungen in der IKT-Branche hin. Er nennt die beschleunigte Digitalisierung durch die Pandemie und, dass Cloud und Künstliche Intelligenz für alle Unternehmen zu einem Muss geworden sind, sowie die Tatsache, dass die Welt den Klimawandel immer ernster nimmt. „Diese Trends bieten viele Chancen für unsere Branche und sie bringen auch einige Herausforderungen mit sich“, so Hu.

Explosives Wachstum der erweiterten Realitäten
Zunächst muss die Branche die Netze, Geräte und den Content auf das explosive Wachstum der erweiterten Realität (Extended Reality, XR) vorbereiten. Um ein reibungsloses Cloud-basiertes XR-Erlebnis zu unterstützen, müssen die Netze Download-Geschwindigkeiten von mehr als 4,6 Gbit/s mit einer Latenz von höchstens 10 Millisekunden bieten.

Bei Geräten ist laut Hu die Senkung der Hürden bei der Anpassung der Headsets von entscheidender Bedeutung für die Nutzung der neuen Virtuellen Anwendungen (Anm. Extended Reality als Mix von Augmented-, Virtual- und Mixed-Reality). Um das Content-Ökosystem zu bereichern, fordert Hu die IKT-Branche auf, Cloud-Plattformen und Anwendungen bereitzustellen, welche die Entwicklung von Inhalten vereinfachen. Zudem müssen die Telekommunikationsbetreiber „ihre Netze verbessern und neue Fähigkeiten entwickeln, um für 5GtoB gerüstet zu sein“. 

Leistungsfähiges Netz als Schlüssel für 5G-Anwendungen
Ein leistungsfähiges Netz ist der Schlüssel zu 5G-Anwendungen für die industrielle Nutzung und dazu gehören Verbesserungen im Bereich Uplink, Positionierung und Sensorik. Da industrielle Szenarien viel komplexer sind als Verbraucherszenarien, entwickelt etwa Huawei autonome Netzwerke, die Intelligenz in alle Aspekte von 5G-Netzwerken einbringen, von der Planung und Konstruktion bis hin zur Wartung. Für eine breitere Einführung von 5G in der Industrie, ist auch die Entwicklung branchenspezifischer Telekommunikationsstandards wichtig.

In China haben die Betreiber gemeinsam mit ihren Partnern aus der Industrie damit begonnen, Standards für 5G-Anwendungen in Branchen wie Kohlebergbau, Stahlindustrie und Energiewirtschaft zu erarbeiten, was laut Hu zu einer größeren Akzeptanz in diesen Sektoren beigetragen hat. „Abgesehen von der Technologie sind dies einige der immateriellen Stärken, die keinen unmittelbaren Gewinn bringen, aber der Schlüssel zur langfristigen Wettbewerbsfähigkeit auf dem 5GtoB-Markt sein werden“, betont der Huawei-Boss.

Beitrag von Digitaltechnik zur Senkung von CO2-Emissionen
Ein weiterer entscheidender Faktor ist das Thema Ökologie. Nach Angaben des Weltwirtschaftsforums kann die Digitaltechnik beitragen, bis 2030 die weltweiten CO2-Emissionen um mindestens 15 Prozent zu senken. „Einerseits können wir mit digitaler Technologie Emissionen senken und die Energieeffizienz verbessern. Andererseits hat unsere Branche einen wachsenden Kohlenstoff-Fußabdruck und diesen müssen wir reduzieren“, sagt Hu. Huawei setzt etwa neue Materialien und Algorithmen ein, um den Stromverbrauch seiner Produkte zu senken und baut Standorte mit einem entsprechend optimierten Energiemanagement der Rechenzentren.

Das von Huawei zusammen mit GSMA und dem SAMENA Telecommunications Council veranstaltete Global Mobile Broadband Forum versammelt Mobilfunknetzbetreiber, Branchenführer und Ökosystempartner aus der ganzen Welt. Der heurige Themenschwerpunkt widmete sich 5G mit Anwendungen und Nutzungsformen für Unternehmen und private Konsumenten.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 18.10.2021