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12. November 2018

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„Was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert.“

Video: 

(Video/Text) Im zweiten Teil des Gesprächs mit economy erläutert Mark Winkler, Head of Digital Transformation & Business Development bei Kapsch BusinessCom, kritische Erfolgsfaktoren für die betriebliche Transformation, Beispiele für umgesetzte Digitalprojekte und wie man Innovation durch Zerstörung erreicht.

Economy: Mark Winkler Leiter Business Development & Digital Transformation bei Kapsch BusinessCom. Wir sind hier heute zusammen gekommen um über das große Thema Digitalisierung zu sprechen. Welche kritischen Erfolgsfaktoren werden im Allgemeinen von Unternehmen an IT-Projekte gestellt?
Mark Winkler: We transform Ideas into Business-Value. Wir sind überzeugt, dass das der richtige Anspruch ist und der umfassende. Kennzahlen, messbare Kennzahlen und die sind umrahmt mit einem Budget.

Aber unterm Strich ist das Thema Geld.
Bei Projekten, wo es um etwas geht, wo es Blaupausen gibt, etwa ein Netzwerk zu erneuern, das Rechenzentrum zu erneuern, in Summe also Erneuerungsprojekte, da sind die Rahmenparameter gut aus der Vergangenheit ableitbar.
Die interessantere Übung ist eben digitale Innovation schaffen, Ideen aufzugreifen und diese Ideen in echten geschäftlichen Mehrwert zu transferieren.

Ein ganzheitlicher IT-Dienstleister wie Kapsch BusinessCom muss sich nicht nur mit Technologie, sondern immer mehr auch mit den betrieblichen Business-Anforderungen auseinander setzen. Wie geht Kapsch mit diesem neuen Anforderungsprofil um?
Ich halte nichts davon sich drei, vier Jahre ins Kämmerlein einzusperren und irgendwelche Ideen oder Produkte zu erfinden, denen dann einen Branchennamen oder ein Branchensegment zuzuordnen und damit versuchen das Geschäft zu machen.
Wir laden die Unternehmen ein oder die Unternehmen laden sich ein zu uns und wir tauchen in deren Branche ein, teilen aber auch unsere Informationen und Best-Practice-Ansätze aus anderen Branchen – um das dann zu einem Prototyp zu bringen und vom Prototyp dann zur Implementierung und zum Produktivsystem. Das ist eigentlich unser Ansatz.

Können Sie uns ein Praxisbeispiel nennen für so eine Umsetzung?
Wir arbeiten mit dem Textilcluster Vorarlberg an smartem Gewebe. Gewebe, kombiniert, eingestickt mit Sensorik. Ich könnte dieses Gewebe nehmen und auf ein Dach legen und damit erkennen, wo oder wie Wasser eintritt wenn das in der zweiten oder dritten Schicht liegt.
Das gepaart mit der richtigen Übertragungstechnik, zum Beispiel Lora in diesem Fall, erzeugt schon einmal den richtigen Informationsfluss.
Das Ganze kombinieren wir mit der SAME-Plattform, das ist die Kapsch-eigene IoT-Plattform, ursprünglich entwickelt um tausende von Stromzählern zu detektieren.
Wenn diese Software ausgelegt ist in betrieblichem Umfang tausende von Stromdaten zu erfassen, dann kann ich sie auch nutzen um tausende Wetterdaten zu erfassen.
Diese Plattform verarbeitet und visualisiert das Ganze und dann verknüpfe ich die entsprechende Analytics-Anwendung dazu.
Diese Daten eben mit Wetterdaten und mit Daten aus der Historie zu verbinden, erzeugt ein Frühwarnsystem.

Wie sehen Sie generell die Innovationsbereitschaft österreichischer Unternehmen?
Die Industrie ist mit Sicherheit weit vorne. Sie treffen dort Unternehmen, die sich selbst disrupten.
Das ist überhaupt das Vorausschauendste, wenn ich sage, ich bin in einem guten Geschäft, schaue mir Digitalisierung an und überlege mir, wie könnte ich morgen zerstört werden durch einen Konkurrenten und beginne selbst damit.
Man kann davon ausgehen, alles was sich digitalisieren lässt, wird digitalisiert werden.

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 23.10.2018