Unabhängiges Magazin für Wirtschaft und Bildung

28. Mai 2022

Search form

Search form

Eine Steigerung auf niedrigem Niveau

Eine Steigerung auf niedrigem Niveau© Pexels.com/Rodnae Productions

Frauenanteil in Österreichs Vorstandsebene erneut erhöht. 16 Frauen von 188 Mandaten bei an Wiener Börse gelisteten Unternehmen ergibt knapp neun Prozent und Verdoppelung gegenüber Jahr 2015.

(red/czaak) Die Anzahl weiblicher Vorstandsmitglieder in Österreichs börsennotierten Unternehmen ist zu Jahresbeginn 2022 im Vergleich zur Jahresmitte 2021 um zwei Frauen auf einen neuen Höchstwert gestiegen. Aktuell gibt es bei den im Wiener Börse Index (WBI) notierten heimischen Unternehmen 16 weibliche Vorstandsmitglieder und 188 männliche. Seit Beginn des Betrachtungszeitraum 2015 hat sich der Frauenanteil in Vorständen von etwas über 4 Prozent auf 8,5 Prozent mehr als verdoppelt.

„Mixed Leadership Barometer“ der Berater von EY
Diese Entwicklung hat sich auch in den heimischen Aufsichtsräten (AR) fortgesetzt, wo nunmehr in fast neun von zehn österreichischen WBI-Unternehmen mindestens eine Frau vertreten ist. Beinahe drei Viertel der österreichischen WBI-Unternehmen haben mindestens zwei weibliche Aufsichtsratsmitglieder. In Summe ist hier die Anzahl der Frauen auf fast 30 Prozent gestiegen, ebenfalls ein neuer Höchststand. Es gibt nun 157 Aufsichtsrätinnen, um acht mehr als im Vorjahr (149). Gegenüber August 2021 hat sich die Gesamtzahl der AR-Mitglieder auf 529 erhöht und davon sind 372 Männer. 

Das sind einige der Ergebnisse des sogenannten „Mixed Leadership Barometers“ der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, die dafür die Strukturen von Vorständen und Aufsichtsräten der im Wiener Börse Index gelisteten österreichischen Unternehmen regelmäßig analysiert. „Der neue Höchstwert ist zwar ein positives Zeichen, der Wandel zu mehr Diversität passiert jedoch äußerst langsam und der Frauenanteil bleibt weiter auf niedrigem Niveau“, so Helen Pelzmann, Partnerin und Verantwortliche für die Initiative „Women. Fast Forward“ bei EY Österreich. Pelzmann wünscht sich zudem mehr Frauen in den Besetzungsprozessen.

Konsumgüter vor Immobilien und Industrie sowie Nuller in Automobil oder IT
Die meisten weiblichen Chefs sind derzeit in der Konsumgüterbranche anzutreffen (23,5 Prozent). An zweiter Stelle folgt die Immobilienbranche (12,5) und an dritter Stelle die Industrie (knapp 10 Prozent). Keine einzige Vorständin gibt es in den Branchen Informationstechnologie, Automobil, Rohstoffe, Telekommunikation und Transport. Bei den weiblichen Aufsichtsratsmitgliedern ist der Anteil in der Immobilien- (37,2 Prozent) und Energiebranche (37,1) am höchsten, wo jeweils mehr als jedes dritte Aufsichtsratsmitglied eine Frau ist. Dahinter folgen Finanz und Telekom (jedes dritte Aufsichtsratsmitglied) und am niedrigsten ist der Anteil mit 16,7 Prozent in der Rohstoffbranche.

Gar keine Frau im Vorstand gibt es nach wie vor in 40 von 55 österreichischen börsennotierten Unternehmen. Drei der insgesamt 16 Frauen in Vorstandsetagen leiten das Unternehmen als CEO. Das sind Herta Stockbauer (BKS Bank), Silvia Schmitten-Walgenbach (CA-Immo) und Elisabeth Stadler (Vienna Insurance Group). Fünf Frauen stehen dem Finanz-Ressort vor. Bei EY Österreich selbst sind aktuell von den 36 Partnern acht Frauen (22 Prozent). Auf Management-Ebene liegt der Frauenanteil aktuell bei 45 Prozent, in der gesamten Belegschaft von EY Österreich bei 55 Prozent.

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 31.01.2022