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02. Juli 2020

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Schluss mit Großteil der Corona-Maßnahmen

Schluss mit Großteil der Corona-Maßnahmen© economy

Arbeitslosigkeit bringt weit mehr Leid und Schaden als Corona und Grippe zusammen. Eine volkswirtschaftliche Betrachtung der existenziellen Auswirkungen der Corona-Maßnahmen unter Einhaltung ethischer Grundsätze.

(Christian Czaak) Ein möglicherweise gewagter Vergleich – aber: was wäre, wenn das nach aktuellen Erkenntnissen vergleichsweise ungefährlichere Corona-Virus wie das Grippe-Virus gehandhabt worden wäre oder zumindest in Bälde werden würde? Und was wäre, wenn krankheitstodesgeile Medien genauso unaufgeregt wie bei Grippe-Themen wären und sich Politiker entsprechend nicht mehr von ihnen hertreiben lassen müssten oder würden?

Regierungen auf der ganzen Welt empfehlen oder erlassen aktuell in Abstimmung mit medizinischen Experten Verordnungen an Bürger und Unternehmen. Bedingt durch die Corona-Pandemie steht dabei die Gesundheit der Menschen im Mittelpunkt, wo auf Basis bisheriger Erfahrungen insbesondere ältere Menschen ab 65 Jahren mit schweren Vorerkrankungen gefährdet sind.

Vergleichsweise harmloser Verlauf bei Corona-Infektion
Bei jüngeren oder mittelalten Menschen bis 65 Jahre gibt es nahezu ausnahmslos einen harmlosen Verlauf, der ohne stationär-klinische Behandlung heilbar ist. Ärztlichen Einschätzungen zufolge ist der Krankheitsverlauf körperlich zumeist weniger belastend als etwa bei einer Grippeerkrankung. „Es gibt auch Corona-Infektionen ganz ohne Symptome und Personen, die sich gar nicht infizieren“, so Heinz Burgmann, leitender Infektionsmediziner der MedUni Wien in einem Medienbericht.

Über 65 Jährige am geringsten von Grippe betroffen
In Österreich werden mit der Grippe laut der nationalen Agentur für Gesundheit (AGES) für 2018/2019 die Anzahl von 1.373 Todesfällen „mit der saisonalen Influenza assoziiert“ und in der aktuellen Saison 2019/2020 die Anzahl von 643 Todesfällen (Stand 4. März). Am stärksten betroffen von der Grippe sind übrigens die 0 bis 4 jährigen, vor den 5 bis 14 jährigen, mit größerem Abstand vor den 15 bis 64 jährigen - und mit noch größerem Abstand vor den über 65 jährigen. Bei der Grippe sind also über 65-jährige Menschen am geringsten betroffen.

Weltweit 110.000 Grippe-Tote versus 13.000 Corona-Tote
Bezüglich Corona-Virus sind in Österreich aktuell 3.244 Menschen infiziert (Stand 22.03 - nachmittag). 16 Menschen sind gestorben und neun Menschen gelten als wieder geheilt. Alle 16 gestorbenen Menschen hatten schwere Vorerkrankungen. Weltweit reden wir aktuell von rund 110.000 Grippe-Toten und exakt 13.059 Corona-Todesfällen bei derzeit insgesamt 308.127 Corona-Infizierten (rund 4%-ige Todesrate).

Deutschland mit 165.000 Grippe-Kranken und 22.364 Corona-Infizierten
In Deutschland gibt es bei der Grippe aktuell rund 165.000 labordiagnostisch bestätigte Erkrankte seit Herbst 2019. 23.600 Fälle (rund 15 Prozent) wurden hier über den gesamten Zeitraum in Kliniken behandelt. 265 Menschen starben bis dato an den Folgen der Grippe. Corona-Infizierte gibt es in Deutschland aktuell 22.364. Gestorben am Virus sind 84 Menschen (ebenso 4 %). 239 gelten als wieder geheilt. (Zahlen Robert Koch-Institut und John Hopkins University vom 22. März - 13.00 Uhr).

Corona mit 81 Prozent milder Verlauf, 14 Prozent Behandlungsnotwendigkeit und 5 Prozent lebensgefährliche Umstände
Weltweit sind 93.790 ehemals Corona-Infizierte wieder gesundet. In China sind das 59.433 und auch im schwer betroffenen Italien sind 6.072 Menschen wieder geheilt. Laut den Erfahrungen in China verlaufen 81 Prozent der Corona-Krankheitsfälle mild, 14 Prozent brauchen medizinische Behandlung bzw. nehmen einen ernsteren Verlauf und rund 5 Prozent sind lebensgefährlich (Zahlen John Hopkins University vom 22. März - 13.00 Uhr).

Vergleichsweise drastische Maßnahmen der Regierungen
Um nun die Corona-Krankheitsfälle möglichst einzuschränken und insbesondere Ansteckungen zu verhindern, haben Regierungen in aller Welt teilweise drastische Maßnahmen angeordnet. Im Wesentlichen geht es darum ältere und bereits immungeschwächte Menschen zu schützen. Auch in Österreich sind mehrere entsprechende Maßnahmen angeordnet und das betrifft insbesondere die Reduktion der sozialen Kontakte.

Weltweite Rezessionsangst und Depressionsgefahr
Massiv betroffen von dieser Kontaktreduktion sind auch Unternehmen. Nach der Anordnung zur Heimarbeit folgt der behördliche Erlass zur Schließung ganzer Branchen - von Hotellerie über Gastronomie und Handel bis zu Gewerbe oder Dienstleistung. Auch Baubranche und Produktionen sind betroffen. Eingeschränkt geöffnet sind Lebensmittelhandel, Apotheken oder Banken. Tourismus und Flugverkehr sind de facto komplett zum Erliegen gekommen. Weltweit herrscht Rezessionsangst und Depressionsgefahr.

Bis zu 400.000 bedrohte Existenzen in einer Woche allein in Österreich
Regierungen inklusive Österreich sowie die EU haben parallel umfangreiche wirtschaftliche Hilfspakete in Höhe hunderter Milliarden geschnürt mit sofort nutzbaren Maßnahmen wie Kurzarbeit, Lohnfortzahlung oder Kreditgarantien. Trotzdem sind allein im vergleichsweise kleinen Österreich nach einer Woche bereits rund einhunderttausend neue Arbeitslose gemeldet. Durchschnittlich betrachtet bedeutet das drei- bis vierhunderttausend (300.000 bis 400.000) existenziell bedrohte Menschen. In einer Woche – und allein in Österreich.

Experten warnen vor volkswirtschaftlichen Folgen
Der Niedergang einer betrieblichen Existenz mit der daraus folgenden Arbeitslosigkeit der Mitarbeiter bedeutet für die betroffenen Menschen im Regelfall immenses Leid. Soziale Einsamkeit und Ächtung, in vielen Fällen auch Obdachlosigkeit, eine schlechtere Gesundheitsversorgung bzw. Krankheit, bis hin zu erhöhter Sterblichkeit sind die Folgen. Experten warnen bereits jetzt vor den volkswirtschaftlichen Folgen und gesundheitlichen Belastungen allein auf Grund der wirtschaftlichen Entwicklungen.

Krankheit und höheres Sterblichkeitsrisiko bei Arbeitslosigkeit
Die Med-Uni Magdeburg hat zu den gesundheitlichen Auswirkungen eine repräsentative Studie (mehr als 1.000 Befragte) erstellt: „Häufige objektive Gesundheitsfolgen von Arbeitslosigkeit sind etwa erhöhte chronische Krankheiten und höhere Medikamentendosen. Subjektive Gesundheitsfolgen etwa sind Schlaf- und Herzbeschwerden, Depressivität, mehr Alkohol- und Nikotinkonsum, Verlust sozialer Bindungen und sozialer Identität sowie Verschlechterung der Familienbeziehungen.“ Das Resümee der Mediziner: „Arbeitslose werden deutlich häufiger stationär behandelt.“ Und: „Arbeitslose unterliegen einem höheren Sterblichkeitsrisiko.“

Die ökonomischen Folgen von Arbeitslosigkeit
Die deutsche Bundeszentrale für politische Bildung hat auch die ökonomischen Folgen zusammengefasst: „Arbeitslosigkeit ist ein Problem für die gesamte Gesellschaft. Sie kann auch für nahe Angehörige eine gravierende Beeinträchtigung der Lebenschancen bedeuten. Gesamtgesellschaftliche Folgen sind u.a. Verlust von Steuern und Sozialabgaben, hohe volkswirtschaftliche Kosten für Arbeitslosengeld, Verlust der Kaufkraft und damit Reduzierung der Binnennachfrage, Anstieg der Kriminalität, politische Instabilität sowie weitere Kosten zur Behebung bzw. Linderung der individuellen Folgen“, so die Erkenntnisse der Experten.

Bei Grippe keine Verordnungen betreffend Quarantäne und Betriebsschließungen
An dieser Stelle sei nun zumindest die Frage gestattet, warum diese Corona-Krankheit nicht genauso wie eine Grippe-Krankheit betrachtet und gehandhabt werden kann. Trotz weitaus mehr Grippe-Fällen mit einem gefährlicheren Krankheitsverlauf und mehr Todesfällen, gibt es hier keine Verordnungen betr. Quarantäne, Home-Office und Betriebsschließungen mit zerstörten Existenzen und hunderttausenden von Arbeitslosen.

Medienhype treibt Politiker vor sich her
Der Ordnung halber sei angefügt, dass es bei der Grippe auch keinen derartigen Medienhype mit stundenlangen TV-Sondersendungen und täglichen Zeitungsaufmachern gibt, die Politiker entsprechend vor sich hertreiben. Aber vielleicht können zumindest seriöse Medien auch ein wenig sachlicher werden und ähnliche volkswirtschaftliche oder wenigstens gesundheitspolitische Rechnungen anstellen.

Genügend Spitalsressourcen für schwere Corona-Fälle
Das Gesundheitswesen wäre rein rechnerisch von den vergleichsweise harmloser verlaufenden Corona-Fällen mit Sicherheit weniger belastet. Die Vergleichszahlen mit der Grippe belegen eindeutig, dass für die schweren Corona-Fälle (5 Prozent !) mehr Spitalsressourcen da sein würden, als das jetzt der Fall ist. Und nochmals: ältere Menschen sind in Relation weit geringer von der Grippe betroffen, dafür jetzt von Corona mehr betroffen. Bei den Jüngeren ist es umgekehrt.

Schutzmaßnahmen nur für Gesundheitswesen und Altenpflege
Was es neben den (sinnvollen) Zutrittsbarrieren in Gesundheitswesen und Altenpflege braucht sind genügend Schutzmaßnahmen von Ärzten und Pflegepersonal (Masken und Anzüge). Ansonsten braucht es für mündige Menschen maximal noch Vorsichtsempfehlungen und Schutzmaßnahmen beim Thema soziale Kontakte mit Grippe-Kranken und älteren Familienmitgliedern.

Maßnahmen bringen weitaus mehr Leid als Corona und Grippe zusammen
Ob es die auch in massiven Grippe-Zeiten unüblichen Schulschließungen braucht ist schon fraglich. Und noch fraglicher sind die Betriebsschließungen. In Summe, national wie international, entstehen aus den Maßnahmen mehr Leid und Schaden sowie „unterm Strich“ möglicherweise auch mehr Todesfälle als bei Corona und Grippe zusammen. Also: Welche volkswirtschaftlichen Auswirkungen gäbe es, wenn das Corona-Virus wie das Grippe-Virus gehandhabt werden würde? Zumindest diese Frage muss mittlerweile erlaubt sein.

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 20.03.2020