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25. Mai 2020

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Viele Hundert Milliarden Euro

Viele Hundert Milliarden Euro© Pexels.com/pixabay

Die Corona-Krise kostet Europa Hunderte von Milliarden Euro. Österreich liegt bei bis zu 57 Milliarden, so Berechnungen des deutschen ifo-Instituts. Medizinische wie ökonomische Gründe sprechen für massive Investitionen in Gesundheitsschutz.

(red/czaak) Die Bekämpfung des Coronavirus wird zu Produktionsausfällen führen. Sie werden die Länder Europas Hunderte von Milliarden Euro kosten. Das haben aktuelle Berechnungen des Münchner ifo Instituts ergeben. „Neben medizinischen sprechen auch ökonomische Gründe dafür, massiv in den Gesundheitsschutz zu investieren. So lässt sich die Epidemie eindämmen – und gleichzeitig könnten wir danach Schließungen von Schulen und Betrieben schrittweise aufheben“, erläutert Clemens Fuest, Präsident des ifo.

Wertschöpfung und Folgekosten
Untersucht wurden Österreich, die Schweiz, Italien, Spanien, Frankreich und das Vereinigte Königreich. „Dringlich sind auch Vorkehrungen in den Unternehmen, die es erlauben, eine Wiederaufnahme der Produktion mit einer weiteren Eindämmung der Epidemie zu verbinden“, so Fuest weiter. „Wenn die Firmen für länger als einen Monat geschlossen bleiben, erreichen die Produktionsausfälle schnell Dimensionen, die deutlich jenseits der Wachstumseinbrüche liegen, die aus früheren Rezessionen in der EU-Geschichte bekannt sind.“

Das ifo Institut berechnete, wie viel Wertschöpfung entfällt, wenn die Produktion unterbrochen ist. Zusätzlich schätzte es die Folgekosten durch eine verzögerte Rückkehr zu normaler wirtschaftlicher Tätigkeit oder durch dauerhafte Beeinträchtigungen, etwa durch Pleiten oder durch den Verlust von Geschäftsbeziehungen während der Krisenzeit.

Österreich mit Kosten zwischen 34 und 57 Milliarden Euro
Für Österreich sieht das ifo Institut Kosten von 34 bis 57 Milliarden Euro bei einer Teilschließung von zwei Monaten. Das verringert die Jahreswachstumsrate zwischen 8,5 und knapp über 14 Prozentpunkten. Bei drei Monaten erreichen die Kosten bereits 47 bis 83 Milliarden Euro oder rund 12 bis 21 Prozentpunkte Wachstumsverlust.

Eine einzige Woche Verlängerung verursacht in Österreich zusätzliche Kosten von 3 bis 7 Milliarden Euro und damit einen Rückgang des Wachstums von 0,8 bis 1,7 Prozentpunkten. Eine Verlängerung von einem auf zwei Monate erhöht die Kosten um bis zu 26 Milliarden Euro oder 6,6 Prozentpunkte Wachstum.

49 bis 81 Milliarden Euro Kosten für die Schweiz
Für die Schweiz ergeben die ifo-Berechnungen bei einer Teil-Schließung von zwei Monaten Kosten je nach Szenario zwischen 49 und 81 Milliarden Euro und verringern die Jahreswachstumsrate um 7,8 bis 12,9 Prozentpunkte. Bei drei Monaten erreichen sie bereits 69 bis 119 Milliarden Euro, was 11,0 bis 19,0 Prozentpunkte Wachstumsverlust bedeutet.

Es zeigt sich, dass eine einzige Woche Verlängerung in der Schweiz zusätzliche Kosten in Höhe von 5 bis 10 Milliarden Euro und damit einen Rückgang des Wachstums von 0,8 bis 1,5 Prozentpunkten verursacht. Eine Verlängerung von einem auf zwei Monate erhöht die Kosten um bis zu 38 Milliarden Euro oder 6,1 Prozentpunkte Wachstum.

Italien zwischen 143 und 234 Milliarden Euro
Im schwer gebeutelten Italien erreichen die Kosten laut ifo bei einer Teilschließung von zwei Monaten je nach Szenario zwischen 143 und 234 Milliarden Euro und verringern die Jahreswachstumsrate um 8,0 bis 13,1 Prozentpunkte; bei drei Monaten erreichen die Kosten bereits 200 bis 342 Milliarden Euro oder 11,2 bis 19,1 Prozentpunkte Wachstumsverlust.

Eine einzige Woche Verlängerung verursacht in Italien zusätzliche Kosten in Höhe von 14 bis 27 Milliarden Euro und damit einen Rückgang des Wachstums von 0,8 bis 1,5 Prozentpunkten. Eine Verlängerung von einem auf zwei Monate erhöht die Kosten um bis zu 108 Milliarden Euro oder 6,3 Prozentpunkte Wachstum.

Zwischen 101 und 171 Milliarden Euro in Spanien
Im ebenfalls stark betroffenen Spanien erwartet das ifo Institut bei zwei Monaten Teilschließung Kosten zwischen 101 und 171 Milliarden Euro, was die Jahreswachstumsrate senkt um 8,1 und 13,8 Prozentpunkte. Bei drei Monaten erreichen die Kosten bereits 141 bis 250 Milliarden Euro oder verringern das Wachstum um 11,3 bis 20,0 Prozentpunkte.

Eine einzige Woche Verlängerung verursacht in Spanien zusätzliche Kosten in Höhe von 10 bis 20 Milliarden Euro und damit einen Rückgang des Wachstums von 0,8 bis 1,6 Prozentpunkten. Eine Verlängerung von einem auf zwei Monate erhöht die Kosten um bis zu 78 Milliarden Euro oder 6,1 Prozentpunkte Wachstum.

Frankreich zwischen 176 und 298 Milliarden
Für Frankreich erreichen die Kosten laut ifo Institut bei zwei Monaten Teilschließung der Unternehmen je nach Szenario zwischen 176 und 298 Milliarden Euro und verringern die Jahreswachstumsrate um 7,3 bis 12,3 Prozentpunkte; bei drei Monaten erreichen sie bereits 247 bis 436 Milliarden Euro oder 10,2 bis 18,0 Prozentpunkte Wachstumsverlust.

Eine einzige Woche Verlängerung verursacht in Frankreich zusätzliche Kosten in Höhe von 18 bis 35 Milliarden Euro und damit einen Rückgang des Wachstums von 0,7 bis 1,4 Prozentpunkten. Eine Verlängerung von einem auf zwei Monate erhöht die Kosten um bis zu 138 Milliarden Euro oder 5,7 Prozentpunkte Wachstum.

Zwischen 193 und 328 Milliarden im Vereinigten Königreich 
Im Vereinigten Königreich verursachen zwei Monate Teilschließung laut ifo Institut Ausfälle zwischen 193 und 328 Milliarden Euro. Das verringert die Jahreswachstumsrate um 7,7 bis 13,0 Prozentpunkte; Bei drei Monaten erreichen die Kosten bereits 271 bis 480 Milliarden Euro oder 10,7 bis 19,0 Prozentpunkte Wachstumsverlust.

Eine einzige Woche Verlängerung verursacht zusätzliche Kosten von 19 bis 38 Milliarden Euro und damit einen Rückgang des Wachstums von 0,8 bis 1,5 Prozentpunkten. Eine Verlängerung von einem auf zwei Monate erhöht die Kosten um bis zu 152 Milliarden Euro oder 6,0 Prozentpunkte Wachstum, so die ifo-Berechnungen.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 10.04.2020