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20. Juni 2019

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Vom Hype zur realen Anwendung

Vom Hype zur realen Anwendung© Bilderbox.com

Digitalisierung. Technologie und Innovation bestimmen den betrieblichen Alltag. Markt und Wettbewerb fordern konkreten Mehrwert für das Geschäftsmodell.

(Christian Czaak) Artificial Intelligence (AI), Blockchain, Bots oder Internet of Things (IoT) – die aktuelle Welt der Digitalisierung ist reich an gut klingenden Begrifflichkeiten. Auch der Einsatz wissens- und datenbasierter Systeme nimmt stetig zu - das dafür stimmige „Buzzword“ ist Big Data. Bei aller Euphorie um neue Technologien und deren mögliche Potenziale sollten Betriebe aber nie die eigene Realität aus den Augen verlieren.

Grundsätzliche Anforderungen für IT-Dienstleister
„Ein Mehrwert entsteht nur, wenn Anwendungen mit dem realen Kerngeschäft und der unternehmerischen Organisationsstruktur verschränkt werden“, sagt Jochen Borenich, Mitglied des Vorstands bei Kapsch BusinessCom. Große Schlagworte lenken oftmals ab den konkreten Anwendungsfall zu erarbeiten und diesen möglichst rasch umzusetzen, so eine weitere Erfahrung der Kapsch-Experten aus der Zusammenarbeit mit Unternehmen. „Der Fokus sollte auf einer strukturierten Vorgehensweise mit zeitnahen und realistischen Zielen liegen – und nicht gleich auf der nächsten industriellen Revolution“, betont Borenich.

Aus der Sicht von Kapsch als ganzheitlicher IT-Dienstleister sollte ein Digitalisierungspartner drei grundsätzliche Kriterien erfüllen: technologisch auf dem neuesten Stand sein, sich mit der Wertschöpfungskette des Kunden auseinandersetzen und diese auch verstehen sowie, drittens, über ein praxiserprobtes Partner-Netzwerk verfügen, um alle kunden- bzw. unternehmensspezifischen Anforderungen entsprechend erfüllen und umsetzen zu können.

Digitalisierung ist kein Selbstzweck
Erfahrungsgemäß ergeben sich daraus mehrere Maxime zur grundsätzlichen Orientierung. Dazu Borenich: „Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sie muss konkreten Mehrwert für das Geschäft erzeugen und dazu braucht es ein digitales Geschäftsmodell, um Potenziale und Notwendigkeiten exakt festzustellen“. Also schnell zur Anwendung kommen im Sinne eines „start quickly, fail early or scale fast“. Das fördere von Beginn weg „einen iterativen Lern- und Verbesserungsprozess und ermöglicht ein rasches Ausschöpfen der identifizierten Potenziale“, so der Kapsch-Experte.

Ein weiterer relevanter Punkt und sozusagen die grundsätzliche technologische Basis ist der Aufbau einer maßgeschneiderten und sicheren Infrastruktur. Der Digitalisierungspartner sollte hierfür gut vernetzt sein und in einem digitalen Ecosystem arbeiten. Dazu gehören internationale Big Player ebenso wie regionale Spezialisten, Start-Ups oder auch Forschungseinrichtungen. Auch wenn die Anforderungen von Branche zu Branche unterschiedlich sind, einige Ansätze lassen sich auch branchenübergreifend übertragen.

Die Optimierung ganzer Wertschöpfungsketten
Künstliche Intelligenz beispielsweise kann ganze Wertschöpfungsketten optimieren. Das gilt innerhalb eines Unternehmend über verschiedene Abteilungen hinweg oder betriebsübergreifend und das geht etwa von automatisierter Verwaltung der Kundendaten über effizientere Produktionsprozesse bis hin zu zielgenauem Lieferantenmanagement. Egal ob Industrie, Handel, Banken, Versicherungen, Dienstleistung oder Gesundheit, Unternehmen sammeln Daten, bereiten sie auf und analysieren sie im Anschluss. Das Ergebnis sind verbesserte Prozesse und eine höhere Qualität der Produkte oder Services.

„Wir entdecken in der Zusammenarbeit mit unseren Kunden laufend neue Möglichkeiten, wie gut eingeführte Prozesse noch ein Stück effizienter gestaltet werden können. Beispielsweise ergeben sich durch die Verknüpfung bestehender Daten mit neuen Daten interessante Erkenntnisse zur Kostenoptimierung“, erläutert Jochen Borenich. Dafür gibt es allerdings keine Standardlösungen. Solche Projekte können nur in enger Abstimmung zwischen IT-Dienstleister und Kunden entstehen.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 07.05.2019