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14. Dezember 2019

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Von sprechenden Spiegeln und lernender Patientenversorgung

Von sprechenden Spiegeln und lernender Patientenversorgung© Bilderbox.com

Neue Entwicklungen bei Künstlicher Intelligenz bereiten den Weg zu neuen Dienstleistungen und zusätzlichen Business-Modellen.

(Christian Czaak) Der Zugriff auf verlässliche Daten ist wohl in keinem anderen Bereich relevanter als in der medizinischen Versorgung. Von der Aufnahme bis zum OP-Saal sind gesicherte Informationen buchstäblich überlebenswichtig und hier werden nun verstärkt Anwendungen im Bereich Künstlicher Intelligenz (KI) eingesetzt.

Um die Qualität von KI-Diensten in diesem sensiblen Bereich zu gewährleisten, arbeitet etwa Kapsch BusinessCom mit Universitäten und Instituten zusammen und verwendet dabei anonymisierte Datensätze. „Ziel ist Ärzte und Pflegepersonal von Routineaufgaben zu befreien oder die Verordnung von Medikamenten zu optimieren,“ sagt Sinan Tankaz, Leiter Artificial Intelligence bei Kapsch BusinessCom.

Diagnostische Bildanalyse
Aktuell entwickelt der IT-Dienstleister eine KI in der diagnostischen Bildanalyse zur Erkennung von Lebererkrankungen. Bereits weit fortgeschritten ist die Technologie in der Analyse von Dokumenten. Hier werden primär Informationen über Medikation, Symptome oder Krankheitsverlauf gesammelt und ausgewertet. „Da findet sich die KI-Engine bereits selbständig zurecht und bei medikamentösen Wechselwirkungen ist sie oft sogar schon Ärzten überlegen“, so Tankaz.

Weitere Anwendungen zur automatisierten Analyse unstrukturierter Dokumente betreffen auch Versicherungsträger. Hier können bereits E-Mails, Anhänge und sogar handschriftliche Vermerke ausgewertet werden. Auch bei Abrechnungen prüft die KI-Anwendung die jeweilige Leistung und die Deckung durch die Versicherung. In Deutschland hat Kapsch mit einer Krankenkasse ein Projekt umgesetzt, wo es um die medizinische Aktualität von Verschreibungen geht.

Service und Mehrwert
Ein anderer Bereich, wo intelligente Anwendungen zunehmend zum Einsatz kommen ist der Handel. Umständliche Sortimentsauswahl und Zahlungsprozesse oder langes Warten an der Kasse entsprechen längst nicht mehr der Erwartungshaltung moderner Kunden. Aus einem einst stationär physischen Einkaufsumfeld wurde eine komplett digitalisierte Wertschöpfungskette, wo nun auch neue intelligente wie interaktive Zusatzservices zur Anwendung kommen.

Der Zahlungsdienstleister Wirecard hat mit dem „Smart Mirror“ einen intelligenten Spiegel entwickelt, der Kunden mehr Service und Händlern mehr Umsatz bringen kann. „Ein integriertes Display zeigt eine Vielzahl an Informationen wie vorhandene Kleidergrößen oder zusätzliche Farben, die dann auch auf andere Sortimente aufmerksam machen können“, erläutert Roland Toch, Managing Director CEE bei Wirecard.

Hat sich der Kunde dann entschieden, wird auch die Bezahlung mittels am Spiegel angezeigten QR-Code und Smartphone sicher und einfach umgesetzt. „Händler können sich so auf die Bedürfnisse ihrer Kunden konzentrieren und profitieren von zusätzlichen Service- und Verkaufs-Möglichkeiten, die der interaktive Spiegel auch personalisiert ermöglicht“, so Toch. Über das intelligente Display können zudem ausgewählte Kleidungsstücke in den sozialen Medien geteilt werden, inklusive Verlinkung zum Onlineshop des Händlers.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 02.12.2019