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19. November 2019

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Drei europäische Top-Auszeichnungen für heimische Forscher

Drei europäische Top-Auszeichnungen für heimische Forscher© Bilderbox.com

Molekularbiologin Joanna Loizou und Mittelalterforscher Walter Pohl von der Akademie der Wissenschaften sowie Atomphysiker Thorsten Schumm von der TU-Wien erhalten hochdotierte Förderpreise des Europäischen Forschungsrates.

(red/czaak) Der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) hat zwei neue hochrangige Förderpreise an ForscherInnen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) vergeben. Joanna Loizou, Gruppenleiterin am CeMM – Forschungszentrum für Molekulare Medizin der ÖAW und Walter Pohl, Direktor des Instituts für Mittelalterforschung der ÖAW, erhalten jeweils einen ERC Synergy Grant. Mit dem bis zu 10 Millionen Euro dotierten Preis werden neue fächerübergreifende Vorhaben mit internationalen Partnern zur Erforschung des frühen Mittelalters und zur Entschlüsselung von DNA-Reparaturmechanismen ermöglicht.

Der dritte aktuelle ERC-Grant geht an Thorsten Schumm vom Atominstitut der TU Wien für seine Forschungen an noch präziseren Uhren als die besten Atomuhren. Während herkömmliche Atomuhren auf der Physik der atomaren Elektronenhülle beruhen, soll die neuartige Uhr Effekte im Atomkern nutzen. Wichtige Vorarbeiten für eine solche Kern-Uhr sind in den letzten Jahren gelungen, nun wird das Forschungsvorhaben vom European Research Council (ERC) mit einem 13,8 Millionen Euro schweren ERC Synergy Grant gefördert.

52 ERC-Grants an Forschungsprojekte der OeAW
Joanna Loizou vom Wiener CeMM gilt international als Expertin in der Erforschung der Reaktionswege, mit denen Zellen auf DNA-Schäden reagieren, um das Genom zu schützen und die Entstehung von Krebs und anderen Krankheiten zu verhindern. „Der ERC Synergy Grant ermöglicht es weiter am grundlegenden, molekularen Verständnis der DNA-Reparatur zu arbeiten“, so Joanna Loizou, die seit 2011 als Gruppenleiterin am CeMM der ÖAW forscht.

Woher kamen die Völker der „Völkerwanderung“ und welche Spuren hinterließen sie in den frühmittelalterlichen Gesellschaften Europas? Diesen Fragen geht Walter Pohl (Professor für mittelalterliche Geschichte an der Uni Wien) gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut in Jena, dem Institute for Advanced Study in Princeton und der Uni Budapest nach. „Wir möchten nun erstmals die vielfältigen Lebensverhältnisse während der Völkerwanderungszeit vor 1.500 Jahren erforschen“, so Pohl, der auch Mitglied der ÖAW ist und bereits Wittgensteinpreisträger (Anm. 2004 als höchste Österr. Auszeichnung durch FWF) ist sowie bereits 2010 einen Advanced Grant erhielt.

Mit den zwei neuen Synergy Grants erhöht sich die Anzahl der seit 2007 an ÖAW-ForscherInnen vergebenen Preise des ERC auf 47 ERC Grants und 5 Proof of Concept Grants. An weiteren 10 ERC-Grants war die Akademie maßgeblich beteiligt. In Summe konnte die ÖAW laut eigenen Angaben bereits mehr als 85 Millionen Euro an ERC-Förderungen nach Österreich holen. Die Akademie zählt bei der Zuerkennung der europäischen Forschungsförderpreise damit zu den erfolgreichsten Forschungseinrichtungen Österreichs.

Thoriumkerne als Taktgeber beim TU-Projekt
Einer Frage von grundlegender Bedeutung für unser Verständnis des Universums soll das neue ERC Synergy Projekt von Thorsten Schumm auf den Grund gehen. Hier wird untersucht, ob die fundamentalen Naturkostanten der Physik nicht in Wirklichkeit zeitlich oder räumlich veränderlich sind. Das würde Hinweise auf die Natur der „dunklen Materie“ geben, die einen wesentlichen Anteil unseres Universums ausmacht.

Beim Forschungsprojekt werden nun Atomkerne des Isotops Thorium-229 als „Taktgeber“ der neuen Kernuhr verwendet, ein künstliches und extrem seltenes Material, das am Atominstitut der TU Wien hergestellt und verarbeitet werden kann. Die Kernuhr bietet einzigartige Anwendungsmöglichkeiten, von der Verbesserung der Genauigkeit satellitengestützter Navigationssysteme bis hin zur Erforschung neuartiger Physik jenseits der Grenzen des heutigen Standardmodells, so die TU-Wien in einer Aussendung.

Interdisziplinäre und länderübergreifende Forschungskooperation
Thorsten Schumm wird das Projekt „Thorium Nuclear Clock“ leiten und gemeinsam mit Ekkehard Peik (Physikalisch-Technische Bundesanstalt, D), Marianna Safronova (University of Delaware, USA) und Peter Thirolf (Ludwig-Maximilian Universität München, D) an der Umsetzung des Kernuhr-Konzeptes arbeiten. Weitere Mitglieder des Teams sind Adriana Pàlffy-Buß (Max-Planck-Institut für Kernphysik, D) und Johannes Weitenberg (Fraunhofer ILT in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Cluster of Excellence Advanced Photon Sources, D).

Auch für Thorsten Schumm ist es nicht die erste große Auszeichnung: Er wurde schon 2009 mit dem START-Preis des FWF ausgezeichnet und seinen ersten ERC Starting Grant des European Research Council erhielt er bereits 2010. Schumm leitet zudem das internationale Forschungsprojekt nuClock, das in den letzten Jahren entscheidende Erfolge auf dem Weg zur Thoriumkern-Uhr zustande brachte und auf dem das neue ERC-Projekt nun aufbauen soll.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 14.10.2019