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18. Juni 2018

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Technik ist nicht neutral

Technik ist nicht neutral©Bilderbox.com

Haben Roboter Interessen? Sind Suchmaschinen unvoreingenommen? Welche Werte und Normen hinter vermeintlich neutraler Technik stehen, wird am 11. Juni auf der internationalen Jahreskonferenz des Instituts für Technikfolgen-Abschätzung der Akademie der Wissenschaften in Wien diskutiert.

Künstliche Intelligenz und Big Data sind zwei Beispiele für Technologien, die zu selbstverständlichen Begleitern in vielen Bereichen des Lebens geworden sind. Egal, ob es sich um private Internetsuchen, die Auswahl von sozialen News-Feeds oder um Optimierungen wirtschaftlicher Prozesse handelt: Die Annahme, dass uns moderne Technologien völlig unvoreingenommen und neutral genau „die richtigen“ Ergebnisse liefern, ist weit verbreitet.

Gesellschaftliche Werte und Normen
Allerdings stehen hinter jedem Algorithmus, jedem Programm-Code und jeder Technologie Menschen mit individuellen Interessen, die sich an gesellschaftlichen Werten und Normen orientieren und damit diese Ergebnisse maßgeblich – wissentlich oder unwissentlich – beeinflussen. Werte und Normen sind also in Technologien und Mechanismen eingebaut, aber nicht unmittelbar zu erkennen. Das betrifft nicht nur Künstliche Intelligenz und Big Data, sondern auch die Entwicklung von Pflegerobotern für ältere Menschen oder die Gestaltung nachhaltiger Häuser.
Das Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (OeAW) greift bei seiner internationalen Jahreskonferenz am 11. Juni 2018 diese Diskrepanz zwischen vermeintlicher Neutralität und vermuteter Normativität der Technik auf – und denkt sie einen Schritt weiter. Im Hauptgebäude der OeAW in Wien beleuchten nationale und internationale Wissenschaftler etwa das Problemfeld „Normative Maschinen“ aus unterschiedlichen Perspektiven.

Rolle der Technikfolgenabschätzung am Prüfstand
Die Forscher reflektieren aber auch ihre eigene Rolle. Technikfolgenabschätzung (TA) soll dazu beitragen, negative Effekte neuer Technologien zu minimieren und positive zu maximieren. Sie selbst soll dabei neutral bleiben, muss aber Entscheidungen treffen, in denen Werte eine große Rolle spielen. „Was auf den ersten Blick als selbstverständlich oder nicht weiter diskussionsbedürftig erscheint, ist in der Praxis oft ein Minenfeld“, so Helge Torgersen von der OeAW.
Unter dem Konferenztitel „Technikfolgenabschätzung und Normativität – An welchen Werten orientiert sich TA“ werden unterschiedlichste Aspekte aus der Praxis der Technikfolgenabschätzung behandelt, von der Rolle der Auftraggeber wissenschaftlicher Studien, über die getroffene Auswahl der zu untersuchenden Technologien und die Bewertung festgestellter Effekte bis hin zum geeigneten Umgang mit Befürchtungen und Hoffnungen von Bürgern, die in partizipative Verfahren der Technikfolgenabschätzung eingebunden sind.

Praxis der Technikfolgenabschätzung
Die bei der Konferenz gewonnen Antworten auf diese Problemstellungen sollen in die wissenschaftliche Praxis der Technikfolgenabschätzung einfließen. Damit soll die Transparenz der Bewertung technologischer Entwicklungen erhöht werden. Als Keynote-Speaker in Wien zu Gast sind Biotechnologie-Expertin Regine Kollek von der Universität Hamburg, Pierre Delvenne, stellvertretender Leiter des Forschungsinstituts SPIRAL an der Universität  Liège, und Armin Grunwald, Leiter des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag.
„Technikfolgenabschätzung und Normativität – An welchen Werten orientiert sich TA?“ Am Montag, den 11. Juni 2018 in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Dr. Ignaz Seipel-Platz 2 in 1010 Wien.

Links

red/mc, Economy Ausgabe Webartikel, 08.06.2018