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26. April 2019

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Abofallen, Vertragsstreitereien und Lieferprobleme

Abofallen, Vertragsstreitereien und Lieferprobleme© Piqs.de/Ludiwica

Internet-Ombudsmann veröffentlicht Jahresbericht 2018 mit in Summe 3.653 Beschwerden und 2.972 bearbeiteten Anfragen. Abo-Fallen mittels Kreditkarten als neues Phänomen.

Beim österreichischen Internet-Ombudsmann als unabhängige Streitschlichtungs- und Beratungsstelle sind im Vorjahr 3.653 Beschwerden und 2.972 Anfragen eingegangen. In 52 Prozent der Fälle konnte das Schlichtungsverfahren erfolgreich abgeschlossen werden. „Diese hohe Erfolgsquote unterstreicht die Bedeutung des Internet Ombudsmann als niederschwellige Alternative zum kostenintensiven Gerichtsweg“, so der Verein in einer aktuellen Aussendung.

Abo-Fallen bleiben häufigster Beschwerdegrund
Mit rund 33 Prozent waren sogenannte „Abo-Fallen“ wie schon 2016 und 2017 neuerlich der mit Abstand häufigste Beschwerdegrund. An zweiter Stelle folgen Vertragsstreitigkeiten (20 %) und sodann Lieferproblemen (16 %). „Abo-Fallen“ sind unseriöse Geschäftspraktiken von Online-Anbietern, bei denen Verbraucher kostenlose Abonnements eingehen, für die sie nach einiger Zeit doch eine Rechnung erhalten.
Der Großteil der „Abo-Fallen“ ging auf das Konto betrügerischer Film-Streaming-Plattformen. Auf der Suche nach kostenlosen Filmen registrieren sich Verbraucher mit Namen, E-Mail-Adresse und Telefonnummer auf solcherart unseriösen Streaming-Plattformen. Diese treten unter über hundert unterschiedlichen Internetadressen auf und bieten in Wahrheit gar keine Filme an. Wenige Tage später erhalten die User überraschenderweise eine E-Mail mit Rechnung, in der behauptet wird, dass sie sich für ein kostenpflichtiges Abonnement registriert haben.

Kreditkartenabbuchungen als neue Facette der Abo-Falle
Die Nutzer werden in weiterer Folge mit Mahnungen, Inkassoandrohungen und Anrufen von erfundenen Rechtsanwaltskanzleien unter Druck gesetzt, die Rechnung in Höhe von mehreren hundert Euro zu bezahlen. Der Internet Ombudsmann konnte die Konsumenten beruhigen, dass kein wirksamer Vertrag zustanden gekommen ist und die Rechnungen nicht zu bezahlen sind.
Das Schema der Abo-Falle wurde 2018 um eine neue Facette erweitert: Verbraucher wurden in manchen Fällen dazu verleitet, auf unseriösen Websites ihre Kreditkartendaten einzugeben. Meist wurde ihnen vorgegaukelt, dass sie für 1 Euro an einem Gewinnspiel für ein hochpreisiges Smartphone teilnehmen können. Später erhielten die Betroffenen eine Mitteilung, dass sie sich mit der Teilnahme an dem Gewinnspiel auch zu monatlichen Zahlungen von bis zu 89 Euro verpflichtet hätten. Entsprechende Beträge wurden tatsächlich von der Kreditkarte abgebucht.

Trend zu langfristigen Verträgen
Generell stellt der Internet Ombudsmann einen leichten Trend zu langfristigen Verträgen fest. So nimmt der Anteil jener Online-Angebote zu, bei denen Konsumenten über einen längeren Zeitraum Waren oder Dienstleistungen beziehen (z. B. wiederkehrende Lebensmittellieferungen oder Streaming-Dienste im Rahmen eines Abo-Modells). Manchmal schließen Verbraucher solche langfristigen Verträge unbewusst ab.
Bei dieser Art von Kontrakt kommt es immer wieder zu Streitigkeiten rund um die automatische Vertragsverlängerung oder Kündigung. Insgesamt fällt auf, dass es mehr Beschwerden über Dienstleistungen als über Warenbestellungen gibt. Dies ist insofern nicht verwunderlich, weil die Vertragsverhältnisse bei Dienstleistungen meist komplexer gestaltet sind als beim einfachen Wareneinkauf.

Achtung bei Viagogo und Aliaz Corporation
Der Schweizer Ticket-Anbieter Viagogo sorgte auch im Jahr 2018 wieder für viel Ärger unter Konsumenten. Nutzer erwarben hier Veranstaltungs-Tickets im Glauben, direkt von Viagogo zu kaufen. In Wahrheit agiert Viagogo lediglich als Plattform für den Ticket-Schwarzmarkt, so Angaben vom Internet Ombudsmann. Konsumenten werden zudem mittels eines laufenden Countdowns unter Kaufzwang gesetzt und erfahren den tatsächlichen Preis erst nach abgeschlossener Buchung. Letztlich werden Tickets meist zu weit über dem originalen Verkaufspreis liegenden Beträgen angeboten.
Auch der Anbieter Aliaz Corporation (Lettland) sorgte für viele Beschwerden. Die Aliaz Corporation bietet über unterschiedliche Webseiten Produkte wie Diätpillen oder Potenzmittel an. Wenn Verbraucher dann ein Produkt bestellen, führt dies ungewollt zu wiederkehrenden Lieferungen, die monatlich in Rechnung gestellt werden. Konsumenten schließen allerdings keinen rechtswirksamen Abo-Vertrag ab und müssen die Rechnungen für die wiederkehrenden Lieferungen nicht bezahlen.

Aktuelle Warnungen über Watchlist Internet
44 Prozent der eingegangenen Beschwerden beim Internet Ombudsmann im Jahr 2018 hatten mit Betrug oder betrugsähnlichen Angeboten im Netz zu tun. Dies verdeutlicht die Wichtigkeit von Prävention, denn bei Betrug gibt es zumeist keine Möglichkeit, sein Geld zurückzubekommen, sobald man in die Falle getappt ist.
Der Internet Ombudsmann informiert daher auf der Informationsplattform Watchlist Internet zu aktuellen Betrugsfällen und Online-Fallen. Neben den Beschwerden und eigenen Recherchen beruhen die Warnungen auf den Meldungen von Watchlist Internet-Nutzern. Unter den vielfältigen Betrugs-Themen 2018 waren etwa auch gefälschte Droh-Emails, wo mit der Veröffentlichung intimer Videos gedroht wurde.
„Mit dem Internet Ombudsmann fördern wir eine in Österreich breit anerkannte Kompetenzstelle für Konsumentenfragen in der digitalen Welt“, so Beate Hartinger-Klein, Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz. „Die werbefreie Watchlist Internet ergänzt dieses Angebot und zeigt mit aktuellen Warnungen vor Online-Betrugsfallen, wie das Internet wirkungsvoll für die Prävention genutzt werden kann“, unterstreicht Hartinger-Klein.

(Anm. der Redaktion: Ob zukünftig auch eine - entsprechend gendertech-politisch korrekte - Internet-Ombudsfrau geschaffen wird, konnte seitens economy (noch) nicht in Erfahrung gebracht werden – aber wir bleiben dran und berichten selbstverständlich sofort - ;-) ).

Links

red/mich, Economy Ausgabe Webartikel, 18.03.2019