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24. September 2018

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Hochwasserschutz als gemeinschaftliche Aufgabe

Hochwasserschutz als gemeinschaftliche Aufgabe© piqs.de/ilagam

Die TU-Wien untersucht die komplexen Wechselbeziehungen zwischen Hochwasser und Gesellschaft: Menschen und Wirtschaft brauchen einen Staat, der effizienten Hochwasserschutz organisiert.

Menschen beeinflussen die Gewässer, durch Dämme, Regulierungen oder Landwirtschaft. Und die Hochwassergefahr beeinflusst Menschen und Betriebe und ihre wirtschaftlichen Entscheidungen. Dieses komplizierte Wechselspiel wird an der TU Wien genauer erforscht, wo die Wirtschaftsmathematikerin Johanna Grames mathematische Modelle entwickelte, die wiederum als wirtschaftliche Entscheidungsgrundlage für langfristige Hochwasserschutzstrategien verwendet werden können.
Den Wirtschaftstreibenden selbst die Verantwortung für den Hochwasserschutz aufzubürden, ist langfristig keine gute Strategie. Gerade in wohlhabenden Ländern lohnt es sich, wenn der Staat die nötige Infrastruktur für den Hochwasserschutz aufbaut, so die TU-Wien Forscher. „In der Hydrologie untersucht man schon lange, wie sich landwirtschaftliche Nutzung oder bauliche Maßnahmen auf die Hochwassergefahr auswirken“, sagt Johanna Grames. „Doch die Erforschung der Wechselwirkungen zwischen Wasser und Gesellschaft ist noch ein junges Forschungsgebiet.“

Der Staat und die Wirtschaft
Genau diese Wechselbeziehungen sind jedoch wichtig, um langfristig die richtigen Entscheidungen zu treffen: Wie verhalten sich Menschen, wenn etwa durch Dämme das Hochwasserrisiko sinkt? Soll man in gefährdeten Gebieten kapitalintensive Wirtschaft ansiedeln und den Hochwasserschutz verstärken, oder eher in weniger gefährdete Gegenden ausweichen? Johanna Grames untersuchte diese Fragen im Rahmen ihrer Dissertation bei Alexia Fürnkranz-Prskawetz am Institut für Stochastik und Wirtschaftsmathematik der TU Wien. Die Arbeit ist Teil des „Vienna Doctoral Programme on Water Resource Systems“, einem Doktoratskolleg, geleitet vom Hochwasserexperten Günter Blöschl.
Bei den wirtschaftsmathematischen Analysen zeigte sich, dass sowohl Staat als auch Privatwirtschaft beim Hochwasserschutz eine wichtige Rolle zu spielen haben.„Eine Firma will natürlich das eigene Risiko senken. Risiko ergibt sich immer aus der Hochwassergefährdung und dem gefährdeten Kapital. Da kann es schon passieren, dass sich Investitionen aufgrund eines möglichen Hochwasserschadens nicht rechnen, selbst, wenn sie vom Staat subventioniert werden“, erklärt Johanna Grames.

Transparenz und Bildung
Volkswirtschaftlich sinnvoll sei es daher, wenn der Staat einen langfristigen Hochwasserschutz gewährleistet. „Jeder soll sich auf das konzentrieren, was er am besten kann“, so Grames. „Der Staat ist am besten darin, Infrastruktur aufzubauen, private Firmen haben dann die Sicherheit, dass ihre Investitionen nicht akut gefährdet sind.“ Die Berechnungen zeigen auch, dass taatliche Investitionen in Infrastruktur besser sind als direkte Subventionen an betroffene Firmen. Direkte Subventionen fließen nämlich nicht notwendigerweise in langfristig sinnvolle Investitionen, sondern oft auch in Maßnahmen, die nur kurzfristig den Profit maximieren.
Berücksichtigen muss man zudem, dass die optimale Strategie nicht in jedem Land gleich aussieht. „In reichen Ökonomien wie Österreich oder die Niederlanden, lohnen sich auch hohe staatliche Investitionen in Hochwasserschutz, weil wir es hier mit unserer Technologie und unserem Kapital tatsächlich schaffen, Hochwasserrisiko signifikant zu reduzieren. In ärmeren Gegenden mit wenig Kapital wie etwa dem Mekong Delta in Vietnam, kann es ökonomisch sinnvoller sein, die Wirtschaftsleistung anzukurbeln und ein gewisses Hochwasserrisiko in Kauf zu nehmen anstatt Ressourcen in Hochwasserschutzmaßnahmen zu stecken, welche ohnehin kaum Erfolg zeigen“, so die Forscherin.
„Wir brauchen Transparenz und Bildung, damit alle Beteiligten eine rationale, informierte Entscheidung treffen können, und das gelingt nur durch interdisziplinäre Zusammenarbeit“, resümiert Grames. Für das Forschungsfeld der Sozio-Hydrologie gibt es also auch in Zukunft noch viel zu tun.

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red, Economy Ausgabe Webartikel, 03.04.2018