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25. Februar 2024

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Die Probleme von Selbstständigen und Einzelhändlern

Die Probleme von Selbstständigen und Einzelhändlern© pexels/antoni shkraba

Das Geschäftsklima für Selbständige kühlt immer mehr ab und auch die Unternehmen in den meisten Einzelhandelssparten bewerten ihre Geschäftslage schlechter, so aktuelle Analysen des deutschen ifo-Instituts.

(red/mich) In Deutschland hat sich das Geschäftsklima für Selbständige weiter verschlechtert. Und auch die Unternehmen in den meisten Einzelhandelssparten bewerten ihre Geschäftslage schlechter. Das ergeben die aktuellen ifo-Analysen für diese Segmente. „Die Lage in der deutschen Wirtschaft ist angespannt“, sagt ifo-Expertin Katrin Demmelhuber. „Für die Selbständigen steigt die Gefahr, in einen Abwärtsstrudel zu geraten.“

„Die weitere Abkühlung der Konjunktur trifft auch die Einzelhändler, die bereits zuletzt schon von einer schwächelnden Konsumnachfrage belastet waren. Auch die Erwartung an die kommenden Monate bleibt verhalten“, ergänzt ifo-Experte Patrick Höppner. Vor allem die Unzufriedenheit mit den laufenden Geschäften hat deutlich zugenommen, aber auch die Erwartungen bleiben pessimistisch. Immer weniger Selbständige planen in den kommenden Monaten, ihre Preise zu erhöhen.

Deutliche Einbrüche bei Freiberuflern
Bei den Dienstleistern rutschte der erhobene Indikator erstmals im Jahr 2023 unter null. Die Geschäftsaussichten und die Umsatzerwartungen verdüstern sich hier, auch das Urteil zur aktuellen Lage fiel schlechter aus. „Die Durststrecke aufgrund der fehlenden Nachfrage verlängert sich“, ergänzt Demmelhuber. Während sich die Lage im Gastgewerbe im August leicht erholte, gab es bei den Freiberuflern in den Branchen Design, Fotografie und Übersetzung deutliche Einbrüche.

Im Einzelhandel sind viele Betriebe zudem auch pessimistisch, was ihre Zukunft angeht. „Viele Händler spüren weiterhin die Zurückhaltung der Verbraucher aufgrund der hohen Inflationsraten“, sagt Demmelhuber. Bei Nahrungs- und Genussmitteln sind immer noch viele Händler zumindest punktuell von Lieferproblemen betroffen. 73 Prozent meldeten das im August, nach 70 Prozent im Juli. „Lieferprobleme aufgrund von Preis- und Konditionenstreitigkeiten zwischen Herstellern und Händlern gehen dabei eher zurück“, sagt Höppner.

Zurückhaltung der Verbraucher durch hohe Inflationsraten
Allerdings führten stockende Tarifverhandlungen zuletzt vermehrt zu Streiks in der Logistik einiger Händler und damit auch zu Lieferproblemen. Bei den Autohändlern waren im August noch über die Hälfte der Unternehmen von Engpässen betroffen. Bei Computern und Software, elektrischen Haushaltsgeräten und bei der Unterhaltungselektronik lag der Anteil jeweils noch bei über einem Viertel.

Wegen der eingetrübten Geschäftssituation im Einzelhandel haben Firmen in einigen Sparten auch Beschäftigung abgebaut. Der Fachkräftemangel ist in den meisten Sparten kein so großes Problem mehr wie zuletzt noch. Insgesamt melden für das dritte Quartal 35 Prozent der Einzelhändler Probleme bei der Fachkräftegewinnung, nach knapp 37 Prozent im zweiten Quartal. Besonders ausgeprägt ist die Problematik im Bekleidungseinzelhandel und im Einzelhandel mit Nahrungs- und Genussmitteln.

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red/mich, Economy Ausgabe Webartikel, 26.09.2023