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19. April 2024

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Rock‘n’Roll and Drugs and Sex ...

Rock‘n’Roll and Drugs and Sex ...© Economy_Czaak

... in verschiedener Reihenfolge und Dosierung. Keith Richards feiert am 18. Dezember seinen 80. Geburtstag. 1962 gründet er mit Mick Jagger die Rolling Stones. Als Motto für Leben und Band gilt ein intensiv betriebener Hedonismus.

(Christian Czaak) Keith Richards wird am 18. Dezember 1943 als einziges Kind einer Arbeiterfamilie im englischen Dartford (Grafschaft Kent) geboren. Richards besucht die dortige Technical Highschool und wird dann 1959 am Londoner Sidcup Art College aufgenommen. Während der Schulzeit singt er regelmäßig in den Schulchören und u.a. auch in der Westminster Abbey vor Königin Elisabeth II.

Ebenso 1959 erhält Richards seine erste Gitarre als Geschenk von seiner Mutter – und tauscht diese zwei Jahre später gegen sein erstes elektrisches Modell. In den Jahren danach wird die Fender Telecaster das bevorzugte Modell des wahlweise als „Riffgott“ oder „lebender Fels“ bezeichneten Richards.

Der Großvater und der Blues als entscheidende Einflüsse
Das Interesse am Gitarrenspiel weckte sein Großvater mit einem bei ihm an der Wand hängenden Instrument und einer Art Wettbewerb, dass „er spielen dürfe, sobald er die Gitarre erreichen könne“. Richards interessiert sich primär für Bluesmusik und spielt erste Stücke etwa von Billie Holiday oder Howlin‘ Wolf nach.

Am 17. Oktober 1961 trifft er der Überlieferung nach Mick Jagger am Bahnhof von Dartford. Jagger hat Schallplatten von Muddy Waters und Chuck Berry im Arm, genau die Künstler und Musik, für die sich auch Richards begeistert. Bei gemeinsamen Besuchen in Londoner Clubs lernen sie Alexis Korner kennen und treten in dessen Band Blues Incorporated als Gastmusiker auf.

Die Rolling Stones als Weltkulturerbe
Im Rahmen der Auftritte lernen Richards und Jagger sodann die Musiker Brian Jones und Ian Stewart kennen. Auf Initiative von Jones erfolgt 1962 die Gründung der Rolling Stones und am 12. Juli 1962 passiert der erste Live-Auftritt der neuen Band im Londoner Marquee Club. Richards bricht seine Ausbildung am Sidcup Art College ab, verlässt auch sein Elternhaus – und zieht mit Jagger und Jones in eine Wohnung im Londoner Stadtteil Chelsea um sich ganz der Musik und der Band und dem (rasch ausufernden) Werden als Rockstar zu widmen. Als nächstes stoßen der Schlagzeuger Charlie Watts und der Bassist Bill Wyman zur Band. Die Rolling Stones sind komplett, der „Rest“ ist Geschichte – und mittlerweile verdientermaßen Weltkulturerbe.

Verdientermaßen auch gesellschafts- oder noch besser: gesundheitspolitisch. Beim Schreiber dieser Zeilen und bei vielen anderen Menschen erzeugt das Hören ihrer Songs Lächeln und Glücksgefühle; zuletzt etwa sympathisch zu sehen auch bei Harald Krassnitzer in der Krimireihe „Tatort“, als ihm Kollegin Adele Neuhauser mit einer Stones-Nummer sekundenrasch den Grant vertreibt. Die Stones und insbesondere Keith Richards vermitteln glaubwürdig, dass eine hedonistische Lebensweise bis in höheres Alter möglich – und notwendig ist. Wie das funktioniert ist in seiner Autobiografie „Life“ auf über 600 Seiten „ungeschminkt“ nachzulesen.

Die Stones als Jungbrunnen und das neue 60 und das neue 40
Ad Multos Annos Keith Richards – und auf ein baldiges Wiedersehen beim nächsten Live-Konzert in Wien. In den USA startet 2024 eine neue Tour und damit steigen die Chancen, dass (wieder) rund ein halbes Jahr danach Europa folgt. Die letzte Tour 2022/2023 mit großartig erlebten Konzerten in Wien und Berlin (Grandioser Tour-Abschluss in Waldbühne!) war die Sixty-Tour anlässlich 60-Jahre Gründung der Band. Der Titel der neuen Tour könnte nun also „Eighty“ lauten, Mick Jagger feierte seinen 80er letzten Juli.

Außerdem ist dank Keith Richards und Jagger 80 das neue 60 beim tatsächlich gefühlten Lebensspirit. Und daher dann natürlich auch folgerichtig (meine) 61 das neue 41. Oder so. Auf alle Fälle gilt als auch praxiserfahrene Lebensphilosophie: „You Can’t Always Get What You Want, You Can’t Always Get What You Want. But If You Try, Sometimes, You Get What You Need.” Eine Live-Version dieses 1969 geschriebenen Songs ist Bestandteil der 1977 erschienenen CD „Love You Live“. Die Nummer wurde 1976 beim Konzert in Paris aufgenommen und sie enthält das allerallerbeste Gitarrensolo von Keith Richards.

Textquellen: Wikipedia, „Life“ (Heyne Verlag)

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 14.12.2023