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25. Februar 2024

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Starker Rückgang des privaten Geldvermögens

Starker Rückgang des privaten Geldvermögens© pexels/mart productions

Globales Geldvermögen der privaten Haushalte fiel 2022 um 2,7 Prozent. Stärkster Rückgang seit Finanzkrise. Zuwachs privater Verschuldung reduziert sich deutlich, so der neue „Global Wealth Report“ der Allianz Versicherung.

(red/czaak) Nachdem das globale Geldvermögen bis 2021 drei Jahre in Folge zweistellig gewachsen war, brachte das Jahr 2022 die erwartete Zäsur. Die geopolitische Auseinandersetzung zwischen Russland und der Ukraine hat den Post-Corona-Aufschwung abgewürgt, eine hohe Inflation gebracht und Wirtschaft wie Märkte sowie Menschen unter Druck gesetzt. Die Vermögenspreise fielen auf breiter Front.

Das Ergebnis war ein massiver Rückgang des globalen Geldvermögens der privaten Haushalte (Anm. um -2,7 Prozent), der stärkste Rückgang seit der Globalen Finanzkrise (GFC) 2008. Diese Ergebnisse zeigt die vierzehnte Ausgabe des „Global Wealth Report“ der Allianz Versicherung, wo das Geldvermögen und die Verschuldung privater Haushalte in fast 60 Ländern analysiert wird.

Kapitalmarkt braucht Finanzbildung
„Hierzulande sehen wir in nahezu allen Bereichen Vermögensverluste, was angesichts der hohen Inflation keine Überraschung ist. Interessant ist aber, dass österreichische Sparer:innen frisches Geld erstmals seit zwölf Jahren wieder mehr in Kapitalanlagen als Bankeinlagen investieren“, sagt Rémi Vrignaud, CEO von Allianz Österreich. Zuführungen zu Bankeinlagen wurden reduziert, die Ersparnisse reduzierten sich insgesamt um 32 Prozent auf 16,4 Mrd. Euro. Wertpapiere dagegen wurden um 15 Prozent höher dotiert.

Kapitalmarktprodukte an den frischen Ersparnissen lagen in Österreich damit bei knapp 11 Mrd. Euro. „Fundiertes Finanzwissen ist für Privatpersonen wie für Unternehmen gleichermaßen von großer Bedeutung“, so Vrignaud. „Gerade die Versicherungsbranche verfügt über wertvolle Kenntnisse, wie mit finanziellen Risiken umgegangen und langfristig Wert geschaffen werden kann.“

In Österreich Vermögen pro Kopf durchschnittlich 65.330 Euro
In Österreich gibt es den Angaben zufolge ein Netto-Geldvermögen pro Kopf in Höhe von Euro 65.330. Im Vergleich zum Jahr vor der Pandemie 2019 ist das Geldvermögen immer noch um über neun Prozent höher – allerdings nur nominal. Inflationsbereinigt sind die österreichischen Sparer „ärmer“ als vor der Pandemie. Ihr Vermögen hat 3,3 Prozent an Kaufkraft verloren.
Bei den Anlageformen unterscheiden sich die Wachstumsraten deutlich. Während Wertpapiere (- 7,3 Prozent) und Versicherungen/Pensionen (-4,6) starke Rückgänge verzeichneten, zeigten Bankeinlagen mit + 6,0 ein robustes Wachstum. Insgesamt gingen Finanzanlagen im Wert von Euro 6,6 Billionen verloren, das gesamte Geldvermögen belief sich Ende 2022 auf Euro 233 Billionen.
Am stärksten war der Rückgang in Nordamerika (- 6,2 Prozent), gefolgt von Westeuropa (- 4,8). Asien hingegen verzeichnete (mit Ausnahme Japans) noch relativ starke Wachstumsraten. Auch in China wuchs das Geldvermögen mit einem Plus von 6,9 Prozent kräftig. Verglichen mit dem Vorjahr (+ 13,3 ) und dem langfristigen Durchschnitt der letzten 20 Jahre (+15,9 Prozent) war dies jedoch eine eher enttäuschende Entwicklung, die mit den wiederholten Lockdowns begründet wird.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 28.09.2023